Corona hat uns im Griff

Seit meinem letzten Editorial hat ein Virus ganz Europa, jeden Einzelnen von uns und gerade uns Ärzteschaft durcheinandergewirbelt – und viele Menschen auch aus der Bahn geworfen.

Dr. Peter Niedermoser

Jeder von uns hat sich, als die Pandemie in China ihren Ausgang nahm, zwar mit diesem Thema auseinandergesetzt, aber die meisten – zumindest von mir kann ich das behaupten – haben sich nicht vorstellen können, welchen Einfluss dieses Virus auf unsere Arbeit, auch hier in Europa, nehmen würde. Die letzte, vergleichsweise fast unproblematische Epidemie war die Vogelgrippe. Ich kann mich noch gut daran erinnern, weil hier viele Papiere und Epidemie-Pläne entstanden sind, die, so schnell sie entwickelt wurden, auch wieder in der Schublade verschwanden. Vieles startete Ende Februar bzw. Anfang März sehr unkoordiniert, stündlich änderten sich die Vorgaben, die Kompetenzen waren unklar. Ich möchte mich daher auch dafür entschuldigen, dass es ein paar Schreckminuten gebraucht hat, bis das Informationsmanagement so richtig ins Laufen gekommen ist. Es gab natürlich große Unsicherheit bei Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Viele Fragen wurden uns gestellt. Die meisten konnten wir anfangs auch noch nicht beantworten, da die Vorgaben durch die jeweiligen Krisenstäbe, ob im Bund oder auch im Land, noch nicht definiert waren. Zum Beispiel ist die Frage der Schutzkleidung nach wie vor ein brisantes Thema. Glauben Sie mir aber bitte: Alle Verantwortlichen in Oberösterreich, von der Landesregierung über die lokale Stelle der ÖGK bis hin zur Ärztekammer für Oberösterreich, bemühen sich täglich, dieses Problem zu lösen. Der Markt ist leergesaugt – und trotzdem schaffen wir es gemeinsam, neue Masken zu organisieren.

GROSSER DANK
Ich möchte aber auch Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen in den Spitälern und im niedergelassenen Bereich, recht herzlich für Ihren Einsatz danken. Ich weiß, mit welchem Engagement, mit welcher Improvisationskunst Sie sich für unsere Patientinnen und Patienten, sowohl in den Ordinationen wie auch in den Spitälern, einsetzen. In der Krise zeigt sich, wer bereit ist, für die Gesellschaft da zu sein – und hier haben wir uns als Ärzteschaft bemüht und bemühen uns immer noch, einen großen Beitrag zu leisten. Ich könnte nun noch seitenlang über die Probleme, aber auch über die vielen erfreulichen Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen schreiben. Auch darüber, welche Schlüsse wir aus den vergangenen Wochen ziehen müssen. Dazu aber in der nächsten Ausgabe mehr. Eines ist mir aber noch wichtig festzuhalten: Ich habe auch einige Anrufe und E-Mails zum Thema Umsatzrückgänge in den Ordinationen, ob beim Kassenarzt oder Wahlarzt, und zum Thema Sondergebühren bekommen. Erstens bin ich froh, dass wir einen Beruf haben, der nicht durch Arbeitslosigkeit bedroht ist. Wir werden auch in Zukunft, noch mehr als vor der Corona-Pandemie, gebraucht werden. Zweitens bin ich optimistisch, dass wir gemeinsam Wege finden werden, Einbußen ausgleichen zu können, und wir werden uns dafür auch mit vollem Engagement einsetzen. Vergessen wir aber auch nicht, dass viele Menschen nach dem Lockdown vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, was uns nicht in diesem Ausmaß passiert!

VIEL GESCHOLTEN
Was wurde die Ärzteschaft immer gescholten und in das Eck der ewigen „Verhinderer“ geschoben, als wir unsere Befürchtungen hinsichtlich der Forderungen der Ökonomen nach Einsparungen im Gesundheitssystem darstellten. Diese Einsparungen haben wir immer deutlich und mit aller Vehemenz abgelehnt. Trotz des Mangels an AllgemeinmedizinerInnen, der jetzt endlich durch entsprechende Maßnahmen beseitigt werden muss, haben wir gezeigt, dass wir eine tolle Versorgung haben, die unbedingt erhalten werden muss und die wir als Ärzteschaft auch immer wieder gegenüber Politik und Ökonomen verteidigt haben.

FORTBILDUNGSPFLICHT
Zum Schluss noch ein Thema außerhalb der Causa prima. Die gesamte Ärzteschaft hat wieder einmal ein tolles Zeichen gesetzt und gezeigt, dass uns regelmäßige Fortbildung wichtig ist, um die PatientInnen optimal zu betreuen. 97 Prozent sind ihrer Fortbildungspflicht, die Ende 2019 bzw. Anfang 2020 wieder überprüft wurde, nachgekommen. Eine tolle Leistung, die uns irgendeine andere Berufsgruppe einmal nachmachen soll.

Ihr Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz, im Mai 2020