HomeNiedergelassenArzt als Dienstgeber

Arzt als Dienstgeber

Bis 2012 waren einer Ordinationsgehilfin nur „einfache Hilfsdienste bei ärztlichen Verrichtungen im Rahmen ärztlicher Ordinationen" erlaubt. Mit 1.1.2013 ist das so genannte MAB-Gesetz in Kraft getreten, welches die medizinischen Assistenzberufe – unter anderem die Ordinationsassistenz – neu regelt. Nunmehr sind auch die Berufsbilder und Tätigkeitsbereiche viel genauer normiert.

Folgende Tätigkeiten sind der Ordinationsassistenz gem. § 9 MABG erlaubt:

  • generell die Durchführung einfacher Assistenztätigkeiten bei ärztlichen Maßnahmen;
  • die Durchführung von standardisierten diagnostischen Programmen und standardisierten Blut-, Harn- und Stuhluntersuchungen mittels Schnelltestverfahren (Point-of-Care-Testing), einschließlich der Blutabnahme aus den Kapillaren im Rahmen der patientennahen Labordiagnostik;
  • Blutabnahme aus der Vene (ausgenommen bei Kindern);
  • Betreuung der Patienten;
  • Praxishygiene, Reinigung, Desinfektion, Sterilisation und Wartung der Medizinprodukte und sonstiger Geräte und Behelfe sowie die Abfallentsorgung;
  • Durchführung organisatorischer und administrativer Tätigkeiten.

Soweit die gesetzliche Regelung, zum Teil sind diese Aufgaben im Gesetz ohnehin sehr klar formuliert.

Nicht eindeutig hingegen ist, welche Altersgruppe mit „Kindern" bei der Blutabnahme aus der Vene gemeint ist. Im Gesetz und auch in den Erläuterungen dazu findet sich nichts. Auch eine mündliche unverbindliche Auskunft des Ministeriums bringt nicht viel („das wird man dann wohl im
Einzelfall entscheiden müssen"). Meines Erachtens ist davon auszugehen, dass als Altersgrenze wohl das 14. Lebensjahr heranzuziehen ist.

Wichtig bei der Blutabnahme aus der Vene ist, eine Aufsicht jedenfalls durch persönliche Anwesenheit des Arztes in der Ordination sicherzustellen, um ein sofortiges Tätigwerden bei medizinischen Reaktionen der Patienten auf die Punktion
zu gewährleisten. Die Venenpunktion durch die Ordinationsassistentin darf ausschließlich zum Zweck der Blutabnahme erfolgen, intravenöse Applikationen jeglicher Substanzen sind nicht zulässig.

Sehr allgemein formuliert ist die „Durchführung einfacher Assistenztätigkeiten bei ärztlichen Maßnahmen". Hier sagt das Gesetz nicht genauer, was darunter zu verstehen ist.

Zu folgenden Tätigkeiten hat das Ministerium eine Stellungnahme abgegeben:

  • Assistenz bei endoskopischen Untersuchungen ist vom Berufsbild der Ordinationsassistenz umfasst – und zwar nicht nur im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen, sofern die Endoskopien in Hinblick auf deren Gefahrengeneigtheit im niedergelassenen Bereich durchgeführt werden können.
  • Augeneintropfen als Vorbereitung zur augenärztlichen Untersuchung ist auch als einfache Assistenztätigkeit anzusehen. Nicht umfasst wäre jedoch generell die Verabreichung von Arzneimitteln.
  • Die Durchführung von standardisierten Hörtests als standardisierte diagnostische Programme ist ebenfalls umfasst, wobei die entsprechenden Kenntnisse und Fertigkeiten im Rahmen der praktischen Ausbildung zu vermitteln sind.
  • Das Anlegen von EKGs ist ebenfalls umfasst, wobei der Ordinationsassistenz ausschließlich das Anlegen, das Ableiten sowie das Beurteilen der Ableitungsqualität (z. B. Muskelzittern, trockene Elektroden, Kontaktfehler etc.) obliegt, die Befundung des EKGs bleibt selbstverständlich dem Arzt vorbehalten.

Angemerkt wird noch, dass für die angeführten Tätigkeiten die Ordinationsassistentin die entsprechenden Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben muss.

Anfragen aus der Praxis

  • Sind Nähte entfernen, Ohrlochstechen, Durchführung von CTGs, Entfernen von Akupunkturnadeln erlaubt?
    Meiner Auffassung nach sind diese Tätigkeiten nicht vom Tätigkeitsbereich der Ordinationsassistenz umfasst, sondern Ärzten bzw. anderen Gesundheitsberufen (diplomiertem Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, Hebammen) vorbehalten.
  • Das Durchführen von Prick-Tests als standardisiertes Programm
    Dazu gibt es noch keine Stellungnahme des Ministeriums. Meiner Auffassung nach würde dies sehr wohl in das Berufsbild der Ordinationsassistenz passen.

Klar geregelt ist, dass eine Ordinationsassistentin nur auf ärztliche Anordnung und unter ärztlicher Aufsicht tätig werden darf, wobei die Aufsicht und Delegation auch durch Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege
(DGKS) erfolgen kann. Aufsicht bedeutet nicht, dass immer eine persönliche und unmittelbare Aufsicht vorhanden sein muss. Es werden je nach Tätigkeit unterschiedliche Ausgestaltungen von der Draufsicht bis zur nachträglichen Kontrolle möglich sein. Die
gebotene Intensität der Aufsicht ist im Einzelfall und individuell zu beurteilen.

Übergangsbestimmung
Alle Ordinationsassistentinnen, die nunmehr eine Ausbildung nach dem neuen MAB-Gesetz machen oder gemacht haben,dürfen die angeführten Tätigkeiten durchführen. Aber auch alle Ordinationsgehilfinnen, die eine Ausbildung nach der alten Rechtslage
nach dem sogenannten MTF-SHD-Gesetz absolviert haben, gelten nunmehr als Ordinationsassistentinnen nach dem neuen Gesetz und dürfen auch alle angeführten Tätigkeiten verrichten, sofern sie die entsprechenden Kenntnisse und Fertigkeiten dazu erworben haben. Eine
Ordinationsangestellte, die lediglich administrative und Verwaltungstätigkeiten übernimmt, also eine Sprechstundenhilfe, braucht dafür keine Ausbildung nach dem MABG.

Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren noch weitere Zweifelsfragen zum erlaubten Tätigkeitsbereich der Ordinationsassistentin auftauchen werden, und auch vom Ministerium zu dem einen oder anderen Punkt eine offizielle Stellungnahme erfolgen wird. Wir werden
Sie darüber auf dem Laufenden halten.

Hinweis zur Haftpflichtversicherung
Ihre Ordinationsangestellte (auch während der Ausbildung) ist selbstverständlich von Ihrer Haftpflichtversicherung umfasst. Die praktische Ausbildung kann jedoch auch nicht in einem Dienstverhältnis, sondern einfach nur im Rahmen
eines Praktikums erfolgen. Hier wurden wir von der ÖÄK bzw. vom Versicherungsverband informiert, dass die Rahmenvereinbarung (die zwischen der ÖÄK und dem Verband der Versicherungsunternehmungen über die Vertragsbedingungen der Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen
wurde) auch für auszubildende Ordinationsangestellte im Rahmen ihrer Praxisausbildung gilt.

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. Maria Leitner

2. KAD-Stv. und Bereichsleiterin Recht & Schiedsstellen

0732 77 83 71-257

0732 78 36 60-257

recht@aekooe.at

mehr

Alle niedergelassenen Ärzte haben von der Arbeiterkammer ein Schreiben bekommen, mit dem Ersuchen die Anzahl der zu registrierenden MitarbeiterInnen per Mail an die Arbeiterkammer bekanntzugeben.

Dieses Schreiben hat offenbar zu einiger Verwirrung geführt, daher folgende Info dazu:

Diese Registrierungspflicht nach dem neuen Gesundheitsberuferegister-Gesetz GBRG wird erst ab dem 1. Juli 2018 schlagend.
Betroffen davon sind NUR Angehörige der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe nach dem GuKG (diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, PflegefachassistentInnen und PflegeassistentInnen sowie Angehörige der gehobenen medizinisch-technischen Dienste nach dem MTD-Gesetz (PhysiotherapeutIen, Diätologen, Biomedizinische Analytiker, Ergotherapeuten, Logopäden, Orthoptisten und Radiologietechnologen).
Nicht registriert werden müssen: Sprechstundenhilfen und ausgebildete Ordinationsassistentinnen nach dem MAB-Gesetz.  

Die Arbeiterkammer wird Registrierungsbehörde und will jetzt nur den zu erwartenden Aufwand ermitteln und ersucht daher vorweg, die Anzahl der voraussichtlich zu registrierenden MitarbeiterInnen bekanntzugeben.
Bitte antworten Sie der Arbeiterkammer einfach per Mail unter gbr@akooe.at und informieren Sie auch Ihren Steuerberater darüber.
Dies ist aber nur eine Vorinformation, wenn die Registrierungspflicht dann tatsächlich schlagend wird, werden wir Sie selbstverständlich rechtzeitig darüber informieren.

Lesen Sie hier weitere Infos
Information zum Gesundheitsberuferegister
Die Frist zur Registrierung im Gesundheitsberuferegister ist am 30.07.2019 abgelaufen

Ihre Ansprechpartnerin

Heidi Waldhauser

Sekretariat

0732 77 83 71-207

0732 78 36 60-207

waldhauser@aekooe.at

mehr

Ihre Ansprechpartnerin

Mag. Kerstin Garbeis , LL.M.

Gruppenleiterin Projekte & Kommunikation

0732 77 83 71-287 (Recht) DW 323 (Kommunikation)

0732 78 36 60-287

garbeis@aekooe.at

mehr