Tumorerkrankungen bei Kindern: steigende Heilungschancen

Kinder erleiden andere Krebserkrankungen als Erwachsene und erkranken auch seltener. Dennoch ist eine Krebsdiagnose für die Betroffenen und ihre Familien eine große Herausforderung.

kleines Mädchen hört Plüschhasen mit Stethoskop ab

In den letzten Jahrzehnten konnten dank neuer Diagnostik- und Therapieverfahren in Österreich die Heilungschancen gesteigert werden. Fünf Jahre nach Diagnose einer Tumorerkrankung sind über 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen am Leben, wobei die Kinder- und Jugendchirurgie einen wichtigen Beitrag zur Heilung leistet.

Anders als bei Erwachsenen spielen Umwelteinflüsse bei der Entstehung von kindlichen Tumorerkrankungen keine Rolle. Gewisse Erkrankungen entwickeln sich aus unreifem Restgewebe der Embryonalentwicklung, das ein starkes Wachstumspotential aufweisen kann. „Hierzu zählen zum Beispiel der sogenannte Wilms-Tumor, ein embryonaler Tumor der Nieren, sowie das Neuroblastom, eine bösartige Erkrankung des sympathischen Nervensystems. In einigen Fällen ist ein Tumor bereits beim Ungeborenen im Mutterleib zu sehen. Manchmal muss dieser unmittelbar nach der Geburt chirurgisch behandelt werden“, erklärt Prim. Dr. Simon Kargl, Leiter der Kinder- und Jugendchirurgie am Kepler Universitätsklinikum und Fachgruppenvertreter für Kinder- und Jugendchirurgie der Ärztekammer für Oberösterreich.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
Der kindliche Organismus ist aufgrund der ablaufenden Entwicklungs- und Wachstumsprozesse ausgesprochen empfindlich. Nicht zuletzt deshalb unterscheidet sich die Behandlung auch von der eines Erwachsenen. Vor allem in Bezug auf mögliche Nebenwirkungen und Langzeitfolgen ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Daher wird der Verlauf der Heilung laufend analysiert und die Therapie dementsprechend angepasst.

„Die Kinderchirurgie unterstützt dabei durch die Entnahme von Gewebeproben die exakte Diagnose und Therapieplanung. Manche Tumorerkrankungen lassen sich heutzutage auch chirurgisch heilen beziehungsweise ist in einigen Fällen die operative Entfernung von Metastasen, zum Beispiel in der Lunge, für die Heilung notwendig und sinnvoll“, erläutert Dr. Simon Kargl. Neben der medizinischen Kompetenz spielt auch Einfühlungsvermögen eine große Rolle, um in dieser Ausnahmesituation das Kind und seine Familie bestmöglich zu betreuen. Es gilt Mut zu machen und Hoffnung zu geben.

Heilungsrate liegt bei über 80 Prozent
Jedes Jahr wird laut der Statistik Austria (2020) bei zirka 200 Kindern bis zum vollendeten 14. Lebensjahr und bei etwa 100 Jugendlichen zwischen dem 15. und dem vollendeten 19. Lebensjahr Krebs diagnostiziert. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch die durchschnittliche Überlebensrate stark erhöht und beträgt aktuell 85 Prozent; etwas niedriger sind die Überlebensraten bei Tumoren des Zentralnervensystems bei Kindern und Jugendlichen.1 Dank neuer Behandlungsmethoden können aber immer mehr Tumorerkrankungen erfolgreich therapiert, Nebenwirkungen gesenkt und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden.

Statistik Austria (2020). Krebs bei Kindern und Jugendlichen