Hausapotheken gewährleisten eine zukunftssichere medizinische Versorgung

Ärztliche Hausapotheken tragen in Pandemiezeiten einen wesentlichen Beitrag zur Patientensicherheit und zur Verringerung des Infektionsrisikos bei. Indem Patientinnen und Patienten ihre Medikamente direkt im Zuge ihres Arztbesuches bekommen, sparen sie sich den Weg in eine öffentliche Apotheke und können so eine mögliche Ansteckungsquelle umgehen. Das Dispensierrecht für Ärztinnen und Ärzte ist daher unerlässlich.

Rasch verfügbare Medikamente sind ein wichtiger Teil der medizinischen Grundversorgung. Ärztliche Hausapotheken nehmen dabei seit jeher und in Zeiten der COVID-19-Pandemie ganz besonders eine wichtige Rolle ein, insbesondere im ländlichen Raum. Die aktuelle Gesetzeslage führt jedoch dazu, dass durch immer mehr öffentliche Apotheken auch in kleineren Gemeinden ärztliche Hausapotheken gefährdet sind. Stichwort: Mindestentfernung. Anstatt starrer Entfernungsvorgaben sollten die konkreten Bedürfnisse der Bevölkerung ausschlaggebend für das Führen einer Hausapotheke in einer Arztordination sein.

Duales System ist die optimale Lösung

Die Diskussion um das Für und Wider von Hausapotheken wird oft vom Vorwurf begleitet, dass es vorrangig um zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für Ärzte geht. Dem ist definitiv nicht so: Es geht vielmehr um das Aufrechterhalten der medizinischen Versorgung in ländlichen, mitunter dünner besiedelten Gebieten. Denn im Gegensatz zu Ballungszentren, wo die Versorgung durch öffentliche Apotheken mit kurzen Wegen für die Patienten durchaus gewährleistet werden kann, herrschen in der Peripherie andere Voraussetzungen. Die Distanzen, die für Besorgungen zurückgelegt werden müssen, sind größer, bei deutlich weniger gut ausgebautem öffentlichem Verkehr. Vor allem am Wochenende kann es sein, dass Patienten für ihre notwendigen Medikamente längere Wegstrecken bis zur nächsten diensthabenden öffentlichen Apotheke zurücklegen müssen. Hausapotheken tragen im Sinne einer medizinischen Nahversorgung somit zur Lebensqualität der Bevölkerung bei.

Die Ärztekammer für Oberösterreich arbeitet kontinuierlich daran, die Rahmenbedingungen für die Allgemeinmedizin so attraktiv wie möglich zu gestalten, um eine flächendeckende wohnortnahe medizinische Versorgung zu gewährleisten. Ein wichtiger Aspekt für die Attraktivität ist dabei das Führen einer ärztlichen Hausapotheke. Dies zeigt auch eine Analyse der Bundeswettbewerbsbehörde, die im Herbst letzten Jahres konkrete Empfehlungen zur Deregulierung der Bestimmungen im Apothekengesetz veröffentlichte. Eine Deregulierung ist sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht sinnvoll und zu begrüßen.

Einerseits stellen Hausapotheken in ländlichen Regionen für viele Ärzte einen existenzsichernden Einkommensbestandteil dar. Andererseits helfen sie laut einer Studie des Energieinstituts an der Johannes Kepler Universität Linz, dass jährlich 14.137 Tonnen weniger an Kohlendioxid emittiert werden, da sich die Patienten den Weg zur Apotheke sparen. Doch auch im Sinne einer serviceorientierten Medikamentenversorgung ist ein duales System mit apothekenführenden Arztordinationen und öffentlichen Apotheken für die Patienten die optimale Lösung.

One-Stop-Shop für Patienten

Ärztliche Hausapotheken entsprechen dem One-Stop-Shop-Prinzip und verringern sowohl den zeitlichen als auch den finanziellen Aufwand bei der Besorgung der benötigten Medikamente deutlich. Denn der zusätzliche Weg in die Apotheke nach dem Arztbesuch entfällt für den Patienten. Ein Weg, der im ländlichen Raum beziehungsweise in Gebieten mit mangelnder Infrastruktur speziell die ältere Bevölkerung oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Menschen vor Herausforderungen stellt.

Wenn das Autofahren aus gesundheitlichen Gründen oder wegen des Alters nicht mehr in Frage kommt, hat das für die Betroffenen oftmals große Auswirkungen. Es kann bedeuten, dass sie von mobileren Menschen abhängig werden, die sie mit Medikamenten versorgen, oder sie müssen Taxidienste und öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nehmen. In Zeiten von COVID-19 kann Letzters mit einem gewissen Sicherheitsrisiko verbunden sein, denn nicht immer werden die vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln von allen Menschen eingehalten.

Vorteile liegen auf der Hand

Folglich können Hausapotheken in einer Pandemiezeit maßgeblich zu einer niedrigeren Infektionskurve beitragen, da Patienten ohne notwendige Umwege zu ihren Standardmedikamenten kommen, wenn sie dies wünschen. Denn im Sinne der Wahlfreiheit bleibt der Gang in die Apotheke natürlich jedem frei. Ein wesentlicher Vorteil einer Hausapotheke ist auch, dass Medikamente im Rahmen eines Hausbesuches vom Arzt direkt mitgeliefert werden können. Vor allem an Wochenenden und Feiertagen oder während der Nacht ist das ein großer Pluspunkt für den Patienten, da keine Apotheke aufgesucht werden muss.

Und entgegen immer wieder geäußerter anderslautender Aussagen von Seiten der Politik hielten die Ärztinnen und Ärzte ihre Ordinationen während des Lockdown offen und das trotz aller Widrigkeiten, wie unzureichender Schutzausrüstung. Sie sorgten damit stets für eine sichere medizinische Versorgung der Bevölkerung.

Die Ärztekammer für Oberösterreich arbeitet intensiv daran, dass bestehende Hausapotheken erhalten bleiben und im Idealfall neue geschaffen werden können. Erklärtes Ziel ist es, dass im Sinne der Patienten das duale System mit ärztlichen Hausapotheken im österreichischen Gesundheitssystem zunehmend als Ergänzung statt Konkurrenz zu bestehenden öffentlichen Apotheken gesehen wird.

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