Warum Veränderung notwendig ist

Jede Organisation hat einen Auftrag und funktioniert nur dann gut, wenn sie regelmäßig überprüft, ob sie noch den Finger am Puls jener hat, die sie vertreten darf – sowohl inhaltlich als auch personell.

Der Generationswechsel in der Ärztekammer für Oberösterreich ist im Gange und auf Kurienebene bereits abgeschlossen. Neue Verantwortungsträger müssen im Wissen und im Gefühl jener agieren, die sie in Zukunft vertreten werden. Wenn ich an meinen Arbeitsbeginn zurückdenke, gab es noch keine Arbeitszeitregelung. Dienste von Freitag 7:00 bis Montag 14:00 Uhr waren keine Seltenheit. Man hat das einfach hingenommen – sogar als normal angesehen. Im Rückblick war es das nicht, auch wenn die „Liegedauer“ der Patientinnen und Patienten etwas länger und dadurch die unmittelbare Belastung in der Betreuung oft weniger fordernd war. Heute haben sich die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten sowie von Ärztinnen und Ärzten verändert und das ist verständlich. Deshalb war es mir in den letzten zwei Jahren besonders wichtig, einen Generationswechsel in Gang zu bringen. Nun ist er nahezu abgeschlossen. Ich habe immer darauf geachtet, dass jene Kolleginnen und Kollegen, die bereits längere Zeit Verantwortung in wichtigen Positionen der Ärztekammer für Oberösterreich getragen haben, nach einer Wahl in der Kurie an die Spitze der jeweiligen Kurien treten, um gemeinsam mit allen Kurienvertreterinnen und -vertretern die ureigensten Interessen der jeweiligen Kolleginnen und Kollegen zu vertreten. Ich möchte mich besonders bei jenen bedanken, die die vergangenen Jahre – eigentlich Jahrzehnte – Verantwortung übernommen und das „Schiff“ der Ärzteschaft sicher durch die von Politik, Sozialversicherungen und Trägerorganisationen ausgelösten Stürme gelotst haben. Sie wissen alle, wen ich meine.
In der Kurie der angestellten Ärztinnen und Ärzte besteht das neue Team aus: DDr. Sebastian Graf, Dr. Cornelia Anleitner und Univ.-Prof. Prim. Dr. Bernd Lamprecht. Die Kurie der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, wo der Wechsel schon etwas länger zurückliegt, wird vertreten durch: MR Dr. Paul Niederberger, Dr. Johanna Holzhaider und Dr. Peter Nöhammer. Auch ich werde demnächst mein mt zurücklegen – mehr Infos dazu folgen in der nächsten Ausgabe der „OÖ Ärzte“. Die neuen Kurienteams kennen Ihre Wünsche und Sorgen. Es braucht eine aktive Interaktion zwischen den Kurienspitzen und jedem einzelnen von Ihnen, denn wir sind eine Ärzteschaft. Dieser Zusammenhalt macht uns stark und schlagkräftig!

PATIENTENLENKUNG – EIN THEMA, DAS EMOTIONALISIERT
Eigentlich wäre es ganz einfach: Im Krankenanstaltengesetz gibt es genau vier Gründe, warum Patientinnen und Patienten eine Ambulanz aufsuchen sollen oder besser gesagt dürfen: zur notfallmedizinischen Betreuung, zur Vor- und Nachbetreuung medizinischer Eingriffe, für Spezialfälle sowie dann, wenn medizinische Leistungen nicht in unmittelbarer Nähe verfügbar sind. Wenn das Gesundheitswesen gut aufgestellt ist, bleibt nicht viel darüber hinaus übrig. Ich durfte bei einer Veranstaltung des ORF dabei sein, gemeinsam mit vielen anderen Akteurinnen und Akteueren im Gesundheitswesen. In manchen Phasen wurde es emotional und ich kann die Ängste der Menschen sehr gut verstehen. Gleichzeitig braucht es aber auch Ehrlichkeit: Es wird künftig nicht mehr möglich sein, zu jeder Tages- und Nachtzeit alles anzubieten. Das können wir uns nicht mehr leisten.

ZU HOHE ERWARTUNGSHALTUNG
Ich bin schon lange im Gesundheitssystem tätig und beobachte morgens auf dem Weg in meine Abteilung, mit welchem Enthusiasmus die Menschen wegen jeder Kleinigkeit die Ambulanzen aufsuchen. Ganz unschuldig sind wir als Ärzteschaft an dieser Situation aber nicht. Die vergangenen Jahrzehnte haben Politik, Ärzteschaft und ÖGK den Menschen häufig suggeriert: „Kommt zu uns, wenn euch etwas weh tut, denn es könnte gefährlich sein.“ Dabei ist den Menschen das Gefühl dafür, was wirklich einer Spitalsbehandlung bedarf, ein Stück weit verloren gegangen. Die Patientinnen und Patienten kommen auch ohne Werbung ins Krankenhaus. Diese Budgets sollten daher besser dafür eingesetzt werden, mehr Personal für die Spitäler zu gewinnen und bestehende Belastungen abzufedern.
 

KLARE REGELN FÜR EINE VERBINDLICHE LENKUNG
Voraussetzung für eine Patientenlenkung ist eine sehr gut ausgebaute Versorgung in der Niederlassung durch Fachärztinnen und Fachärzte für Familienmedizin sowie Fachärztinnen und Fachärzte verschiedener Sonderfächer. Ich bezeichne das im übertragenen Sinne gerne als eine gut asphaltierte Straße, auf der man sicher durch das System fahren und so sein Gesundheitsziel erreichen kann.
Geht man diesen Weg, erhält man eine bestmögliche Versorgung, die am Ende durchaus auch die Option eines Ambulanzbesuches oder einer stationären Aufnahme beinhalten kann. Wenn man jedoch sagt „Ich will gleich in eine Ambulanz“, braucht es eindeutig eine entsprechende finanzielle Beteiligung der Patientin/des Patienten. Das muss klar kommuniziert werden, sodass jede und jeder für sich entscheiden kann, welchen Weg sie oder er einschlagen will. Letztlich müssen wir alle wieder mehr Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen. Diese vollständig an das Gesundheitssystem auszulagern, würde die Ressourcen überlasten. 

Ihr Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz, im Mai 2026