Statements der beiden Kurienspitzen zu Interview mit ÖGK-Landesstellenleiterin Krepp

Mit Unverständnis und Verwunderung hat die Ärztekammer für Oberösterreich ein Kurier-Interview vom 8. Februar 2026 mit OÖ-ÖGK-Landesstellenleiterin Ursula Krepp aufgenommen. Lesen Sie hier die Statements der Kurienobmänner DDr. Sebastian Graf (Angestellte Kurie) und Dr. MR Dr. Paul Niederberger (Niedergelassene Kurie).

Fotos: ÄKOÖ/Binder, Witzany

Statement DDr. Sebastian Graf (Kurienobmann Angestellte Ärzte)

„Um der Flut an Wahlärzten Herr zu werden, sollte Spitalsärzten das Führen von Privatordinationen untersagt werden.“

Die ÖGK und Frau Krepp wären gut beraten, die sogenannte Flut an Wahlärzten endlich als das anzuerkennen, was es ist, nämlich ein unverzichtbarer Anteil an der Gesundheitsversorgung der Menschen in Oberösterreich. Ein Anteil, den die Kassenmedizin seit Jahren nicht erbringen kann und von den Ärztinnen und Ärzten in Oberösterreich, großteils neben ihrer Tätigkeit an Patienten in Oberösterreichs Spitälern, erbracht wird. Kurz gesagt: ohne die Wahlärzte wäre die Gesundheitsversorgung in Oberösterreich schon zusammengebrochen. Eine Umfrage zeigt: ein Drittel der Wahlärzte in Oberösterreich können sich vorstellen, zumindest teilweise in Kassenordinationen zu arbeiten, wenn dort attraktivere Rahmenbedingungen angeboten werden würden – das würde bei Teilzeitverträgen, welche die ÖGK bisher ablehnt, sofort über 3000 Stunden pro Woche für die Kassenmedizin freimachen – und die gesamte Diskussion erübrigt sich. Natürlich braucht es Regeln, das ist aber keine Hexerei und die Ärzte als Vertragsnehmer sind wohl am ehesten geeignet und auch hochmotiviert, diese mitzugestalten. Der Ball liegt also definitiv auf der Seite der ÖGK. Die fehlende Flexibilität der Gesundheitskasse, längst überfällige Änderungen an ihren Verträgen anzubieten, ist also die direkte Ursache der unzureichenden Versorgung – und die Lösung ist definitiv nicht, den Leistungsträgern einen erheblichen Anteil daran zu verbieten. Denn was wird passieren? Spitalsärzte werden nicht in in die seit Jahren unbesetzten Kassenordinationen wechseln, wenn die Arbeitsbedingungen dort nicht die Realität des 21. Jahrhunderts abbilden! Das Erfolgsmodell der solidarischen Gesundheitsversorgung wird dadurch weiter geschwächt und die Leidtragenden sind die Patientinnen und Patienten in unserem Land. Oberösterreichs Ärztinnen und Ärzte beweisen jeden Tag, wie leistungsbereit sie sind. Zwang und Verbot war noch nie ein Erfolgsrezept und wird es jetzt auch nicht sein.

 

Statement MR Dr. Paul Niederberger (Kurienobmann Niedergelassene Ärzte)

Nach der Lektüre des Interviews mit Frau Ursula Krepp bleibt vor allem eines: Verwunderung über die Diskrepanz zwischen Darstellung und Realität. Der Versuch der ÖGK, die vertragsärztliche Versorgungssituation in Oberösterreich schönzureden, scheitert an der täglichen Realität der Versicherten. Diese Realität kennt inzwischen jeder Oberösterreicher, der versucht, einen ÖGK-Vertragsarzt zu finden oder zeitnah dort einen Termin zu bekommen. Immer weniger Menschen verstehen die ÖGK noch. Man hört gebetsmühlenartig, wie hervorragend Vertragsärzte angeblich verdienen, untermauert mit Zahlen, die auf viele wie Fantasiewerte wirken. Gleichzeitig bleibt eine große Zahl an Vertragsarztstellen unbesetzt. Wenn die Bedingungen tatsächlich so attraktiv wären, müsste sich dieses Problem längst von selbst gelöst haben. Statt die Ursachen zu analysieren, verlangt die ÖGK von Vertragsärzten „Sozialbeiträge“ und „Flexibilität gegenüber der ÖGK“, während gleichzeitig ernsthaft darüber nachgedacht wird, Studierende, Wahlärzte und nun sogar angestellte Ärzte durch gesetzliche Maßnahmen in ÖGK-Einzel und PVE-Verträge zu drängen. Das wirft eine naheliegende Frage auf: Wenn der ÖGK-Vertrag wirklich so attraktiv ist, warum braucht es dann Zwang? Die Ärztekammer wird weiterhin dafür eintreten, dass Menschen nicht gezwungen werden, für ein Versicherungsunternehmen zu arbeiten, sondern dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Kassenvertrag wieder aus eigener Kraft attraktiv machen. Dazu hat die Ärztekammer seit Jahren zahlreiche konstruktive Vorschläge vorgelegt. Ein Beispiel ist die Einführung von Teilzeit-Kassenverträgen, die seit langem gefordert werden und von der ÖGK bisher abgelehnt wurden. Umso unverständlicher ist diese Haltung, wenn Frau Krepp selbst im Interview darauf hinweist, dass in Ihrer Gebäudemanagement-GmbH 68 % der Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten. Was dort selbstverständlich möglich ist, soll für Vertragsärzte nicht umsetzbar sein? Diese Argumentation überzeugt nicht – und sie trägt sicher nicht dazu bei, die ÖGK vertragsärztliche Versorgungssituation zu verbessern. Wer die Versorgung sichern will, muss die Arbeitsbedingungen der Vertragsärzte verbessern – nicht die Realität schönreden.