Seit Jahren finden in Österreich Evaluierungen von Ärztinnen und Ärzten in Ausbildung statt, die von der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) in Kooperation mit HF Partners abgewickelt werden. Zwischen März und Mai 2026 hat die Bundeskurie der angestellten Ärzte (BKAÄ) der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) zum vierten Mal die bisher größte Ärzteausbildungsevaluierung durchführen lassen. Mit diesem Werkzeug zur Qualitätskontrolle wird bei allen Ärztinnen und Ärzten in Ausbildung die Zufriedenheit mit der Ausbildung abgefragt. „Wir bedanken uns bei allen Ärztinnen und Ärzten in Ausbildung, die durch ihre Teilnahme wertvolle Rückmeldungen gegeben haben. Ebenso gilt unser Dank den Ausbildungsverantwortlichen sowie allen Ausbildnerinnen und Ausbildnern in Spitälern und Ordinationen, die täglich ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben. Ihr Engagement trägt zur Weiterentwicklung der ärztlichen Ausbildung und zur Sicherung einer hochwertigen medizinischen Versorgung in Oberösterreich bei“, sagt OÖ-Ärztekammer Präsidentin Dr. Silke Haim.
Starke Beteiligung mit Luft nach oben
„Dass sich erneut viele Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung an der Evaluierung beteiligt haben, ist ein erfreuliches Zeichen. Auch wenn die Rücklaufquote im Vergleich zum Vorjahr etwas niedriger ausgefallen ist und hier durchaus noch Potenzial nach oben besteht, zeigt die Beteiligung, dass die junge Ärztegeneration großes Interesse daran hat, ihre Ausbildung aktiv mitzugestalten und weiterzuentwickeln“, so die Präsidentin. Österreichweit erhielten 2026 insgesamt 9.958 Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung einen Fragebogen. 6.010 Fragebögen wurden zurückgeschickt, was einer Rücklaufquote von rund 60 Prozent entspricht und den Rekordwert des Vorjahres von 59 Prozent übertrifft. In Oberösterreich wurden 2026 1.463 Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung zur Teilnahme eingeladen. Die Rücklaufquote lag in diesem Jahr bei 59 Prozent und damit unter dem Vorjahreswert von 63 Prozent. Dennoch beteiligte sich weiterhin mehr als die Hälfte der Ausbildungsärztinnen und Ausbildungsärzte in Oberösterreich an der Evaluierung.
„Als Ärztekammer ist es unsere Verantwortung, das Feedback der Evaluierung aufzunehmen und die Rahmenbedingungen laufend zu verbessern, damit die ärztliche Ausbildung auch künftig höchsten Qualitätsansprüchen gerecht wird“, sagt Dr. Silke Haim. Für die Zukunft müsse man aber daran arbeiten, noch mehr Ärztinnen und Ärzte für die Teilnahme an der Ausbildungsevaluierung zu gewinnen. „Ich kann jeder Ärztin und jedem Arzt in Ausbildung nur ans Herz legen, künftig an der Ausbildungsevaluierung teilzunehmen. Ihre Rückmeldungen sind eine wichtige Grundlage, um die Qualität der ärztlichen Ausbildung weiter zu verbessern und erforderliche Veränderungen anzustoßen“, so die Präsidentin.
Ausbildungsqualität in OÖ verbessert sich weiter
Die Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung 2026 zeigen insgesamt eine positive Entwicklung. Österreichweit konnten in allen acht Bewertungsbereichen Verbesserungen erzielt werden. Auch der Blick nach Oberösterreich zeichnet ein erfreuliches Bild: Mit einem Gesamt-Kennwert von 4,84 Punkten liegt Oberösterreich über dem österreichweiten Durchschnitt von 4,76 Punkten und reiht sich hinter dem Burgenland, der Steiermark und Salzburg auf Rang vier ein. Im Bereich Evidence-based Medicine zählt Oberösterreich bundesweit zu den bestbewerteten Bundesländern und erreicht den zweiten Platz. Auch in der Globalbeurteilung sowie bei den Fachkompetenzen gehört das Bundesland zu den Spitzenreitern.
Die Ausbildungsqualität wird im Rahmen der Evaluierung anhand von acht Dimensionen beurteilt: Globalbeurteilung, Fachkompetenzen, Lernkultur, Führungskultur, Fehlerkultur, Entscheidungskultur, Betriebskultur sowie Evidence-based Medicine. Aus diesen Kategorien wird ein Gesamt-Kennwert berechnet, der als Vergleichsgröße für die Ausbildungsqualität dient. Die Bewertung erfolgt nach dem Schweizer Notensystem, bei dem 6,0 den Höchstwert darstellt und Werte unter 3,5 als nicht ausreichend gelten.
„Die gute Bewertung bei den Fachkompetenzen ist sehr erfreulich. Sie bedeutet, dass sich die Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung fachlich gut begleitet fühlen und Vertrauen in ihre Ausbildung haben. Besonders beeindruckend sind außerdem die Ergebnisse in den Kategorien Entscheidungskultur und Fehlerkultur. Sie zeigen, dass junge Kolleginnen und Kollegen gut darauf vorbereitet werden, wichtige medizinische Entscheidungen zu treffen und auch ohne Angst aus möglichen Fehlern lernen zu können. Der zweite Platz im Bereich Evidence-based Medicine bestätigt zudem, dass wissenschaftliches Arbeiten und aktuelles medizinisches Wissen in der Ausbildung in Oberösterreich immer mehr Stellenwert gewinnen“, sagt Dr. Cornelia Anleitner, Turnusärztevertreterin in der Ärztekammer für Oberösterreich.
Auch die Ergebnisse der einzelnen Ausbildungsstätten fallen vielfach positiv aus: Von insgesamt 263 Ausbildungsstätten in Oberösterreich erhielten fünf die Höchstnote 6,0. Weitere zehn Ausbildungsstätten wurden mit 5,9 bewertet, 31 weitere erreichten Werte zwischen 5,5 und 5,8. Nur vier Ausbildungsstätten lagen unter einem Kennwert von 3,5 und würden damit – übertragen auf das Schulnotensystem – einem „Nicht genügend“ entsprechen.
Ausbildungsqualität profitiert von kleineren Strukturen
„Wie bereits im Vorjahr zeigt sich auch heuer, dass die Ausbildungsqualität in Oberösterreich, ebenso wie österreichweit, stark von der Größe der Ausbildungsstätte abhängt. Kleine Einheiten mit intensiverer Betreuung werden im Großen und Ganzen besser bewertet als größere. So erzielen Ausbildungsstätten mit ein bis drei Ärztinnen und Ärzten in Ausbildung bessere Bewertungen als Standorte mit vier bis zehn oder mehr Personen in Ausbildung. „Der Vorteil kleiner Ausbildungsstätten liegt ohne Zweifel in der möglichen intensiven Betreuung der Auszubildenden. Dort kann viel eher auf die einzelnen Bedürfnisse und Fragen der Lernenden eingegangen werden. Es bleibt somit mehr Zeit für Gespräche, Feedback und Erfahrungsaustausch“, erklärt Dr. Cornelia Anleitner. Aus Sicht der Turnusärztinnen und Turnusärzte sind genau diese persönlichen Lern- und Feedbackmöglichkeiten von großer Bedeutung für eine qualitativ hochwertige Ausbildung. „Der direkte Austausch mit den Ausbildnerinnen und Ausbildnern schafft nicht nur mehr Sicherheit im Berufsalltag, sondern ermöglicht auch eine individuellere fachliche und persönliche Weiterentwicklung der Lernenden“, so Dr. Anleitner.
Unterschiedliche Bewertungen je nach Ausbildungsabschnitt
Deutlichere Unterschiede zeigen sich beim Blick auf die einzelnen Ausbildungsabschnitte. Am besten bewertet wird die Facharztausbildung im Sonderfach mit einem Kennwert von 4,92 Punkten. Die Ausbildung in Allgemeinmedizin an Krankenhäusern erreicht 4,72 Punkte, gefolgt von der Basisausbildung mit 4,45 Punkten. „Bei der Ausbildung für Allgemeinmedizin in den Spitälern und der Basisausbildung gibt es noch deutliches Verbesserungspotenzial, das wir nicht ignorieren dürfen! Die Ärztekammer für Oberösterreich setzt sich seit Langem dafür ein, jungen Kolleginnen und Kollegen eine qualitativ hochwertige ärztliche Ausbildung zu ermöglichen. Ein wichtiger Faktor ist dabei auch die Wartezeit auf die Basisausbildung. Deshalb hat die Ärztekammer für Oberösterreich erst kürzlich die Wartezeit von Medizinabsolventinnen und Medizinabsolventen auf einen Ausbildungsplatz in der Basisausbildung in Oberösterreich analysiert. Dabei zeigt sich, dass Ärztinnen und Ärzte mit Promotion in Österreich, die zwischen Anfang 2025 und Mitte 2026 ihre Basisausbildung in Oberösterreich begonnen haben, im Median zwei Monate auf einen Ausbildungsplatz warteten. Auf diesem Ergebnis wollen wir weiter aufbauen und jungen Kolleginnen und Kollegen einen möglichst raschen Einstieg in ihre Ausbildung ermöglichen“, sagt Dr. Cornelia Anleitner.
„Die Resultate der Ausbildungsevaluierung sollten insbesondere auch von Spitalsträgern ernst genommen werden. Sie sind ein wichtiger Indikator für die Attraktivität eines Krankenhauses als Ausbildungsstandort. Außerdem können die Ergebnisse möglicherweise in die Wahl der Ausbildungsstätte sowie des späteren Dienstgebers einfließen“, weiß DDr. Sebastian Graf, Kurienobmann der angestellten Ärzte in der Ärztekammer für Oberösterreich.
Ausbildung als gemeinsame Verantwortung
„Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine qualitativ hochwertige Ausbildung nur durch das Zusammenspiel aller Beteiligten möglich ist. Neben dem Engagement der Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung leisten insbesondere die Ausbildungsverantwortlichen sowie die Ausbildnerinnen und Ausbildner in den Spitälern und Ordinationen einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Wissen, Erfahrung und medizinische Kompetenz an die nächste Ärztegeneration weitergegeben werden. Vor dem Hintergrund der angespannten Personalsituation und des bevorstehenden Generationenwechsels in den Krankenhäusern kommt diesem Engagement eine besondere Bedeutung zu. Umso wichtiger ist es, ausreichend Zeit und Ressourcen für die Ausbildung sicherzustellen und die Weitergabe von Wissen aktiv zu fördern. Der aktuelle Generationenwechsel in den Spitälern darf daher nicht verschlafen werden, denn er entscheidet maßgeblich darüber, ob auch künftig genügend gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung stehen“, sagt Kurienobmann DDr. Sebastian Graf.
Daten sind transparent und abrufbar
Sämtliche Daten der Evaluierung sind für jedes Bundesland und jede Abteilung bzw. Lehrpraxis auf der Homepage der Österreichischen Ärztekammer unter www.aerztekammer.at/ausbildungsevaluierung abrufbar. Die Ergebnisse dienen nicht dazu, einzelne Einrichtungen bloßzustellen. Vielmehr sollen sie helfen, Verbesserungspotenziale frühzeitig zu erkennen und gezielte Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Ausbildungsqualität zu setzen.
Foto: AKOÖ