„Ordinationen sind für Impfungen perfekt ausgerüstet“

Impfen ist bald auch in Apotheken möglich, das hat der Ministerrat heute beschlossen. Verwundert zeigt sich die Ärztekammer für Oberösterreich nicht über diesen Schritt, sondern über die Erklärung von Sozialministerin Korinna Schumann und fordert einen flächendeckenden Ausbau von Hausapotheken.

 

Fotos: Witzany / ÄK OÖ

Apotheken können bald Impfungen vornehmen. Das soll bei Immunisierungen gegen FSME, Keuchhusten-Tetanus-Diphtherie und Hepatitis B möglich werden. „Wir sind gespannt, wie das in der Praxis ablaufen wird“, so die Kurienspitze der niedergelassenen Ärzte in der OÖ-Ärztekammer um Kurienobmann MR Dr. Paul Niederberger und Kurienobmann-Stv. Dr. Johanna Holzhaider. Laut Aussage der Ministerin geht es vor allem darum, ein zusätzliches Angebot zu schaffen. „Man habe sich auf Impfungen konzentriert, die man bereits in Apotheken erwerben könne.“ Damit müsste der Patient die Impfung zuerst nicht in der Apotheke abholen, dann den Weg in die Ordination machen, um sich dort impfen zu lassen. „Wenn die Impfung dort verabreicht wird, wo sie lagernd ist, dann könnte man sie ja gleich in einem Verteilerzentrum verabreichen“, so MR Dr. Niederberger augenzwinkernd in Richtung dieser etwas holprigen Begründung. „Wenn die Verteilung der Impfstoffe reibungslos funktionieren würde, dann wäre diese bei jeder Ärztin und jedem Arzt verfügbar und könnte sicher und schnell verabreicht werden.

Ordination für Impfung bestens ausgerüstet

Zudem sind Ordinationen bestens ausgerüstet und das Personal perfekt geschult. „Gerade rund um die Impfung kommt es immer wieder zu Fragestellungen, da braucht es eine sachliche Aufklärung in einem diskreten Umfeld und im Falle von sehr seltenen Impfreaktionen eine rasche und professionelle Hilfe. Hierfür sind unsere Ordinationen perfekt“, so Dr. Holzhaider: „Wir kennen die Krankengeschichte unserer Patientinnen und Patienten, führen Anamnesen durch und sind für eine etwaige Notfallbehandlung bestens vorbereitet“, so die Allgemeinmedizinerin: „Wir brauchen den Impfstoff nur vor Ort.“

One-Stop-Konzept und Hausapotheken

Daher fordert Dr. Holzhaider das sogenannte One-Stop-Konzept, dass niedergelassene Ärztinnen und Ärzte (mit oder ohne Kassenvertrag) das gesetzliche Recht erhalten, verschreibungspflichtige Medikamente direkt in ihrer Ordination an Patienten abzugeben. Gleichzeitig braucht es einen flächendeckenden Ausbau der Hausapotheken. Dieser wäre aus verschiedensten Gründen wichtig und zielführend. Die Entfernungen zur nächsten öffentlichen Apotheke betragen im ländlichen Raum teils 30 Kilometer und mehr. Eine Hausapotheke beim nächsten Hausarzt erleichtert es für den Patienten enorm und sorgt für eine ökologische Verbesserung. Zudem kann die Hausärztin bzw. der Hausarzt bei Hausbesuchen die notwendige Medikamentenversorgung der ländlichen Bevölkerung direkt sicherstellen. In Zeiten von moderner Logistik sind die Umwege über Apotheken für Patientinnen und Patienten insbesondere am Land nicht zu rechtfertigen. Falls die Patientin bzw. der Patient dafür öffentliche Verkehrsmittel nutzt, erspare man sich die Gefahr neuer Infektionsketten. Kranke Menschen in öffentliche Verkehrsmittel zu zwingen, ist vom infektiologischen Standpunkt ein Desaster. Das hat nichts mit Patientensicherheit oder Patientenservice zu tun.

Vorteile für Patientinnen und Patienten

„Aus Sicht der Patientinnen und Patienten wäre aus den genannten Gründen eine faire Koexistenz von Hausapotheken und öffentlichen Apotheken ein großer Gewinn für die stetig wachsende Bevölkerung“, so MR Dr. Niederberger. Diesbezüglich hat sich auch bereits die Bundes-Wettbewerbsbehörde deutlich für eine Liberalisierung des Apothekenmarktes ausgesprochen. Auch die Bevölkerung hat eine klare Meinung. In einer österreichweiten OGM-Befragung im Jahr 2012 zeigten von 2200 Befragten 66 Prozent eine deutliche Präferenz für die Abgabe von Heilmitteln in der Ordination, nur 28 Prozent bevorzugten eine Apotheke. Dazu kommt, dass Heilmittelverordnungen der Hausapotheker der Sozialversicherung auf Grund höherer Nachlassregelungen günstiger kommen. Das bedeutet: Hausapotheken weisen kein unökonomisches oder ertragsoptimierendes Verhalten auf. Sie nutzen die gesamte Wirkstoff- und Produktpalette in jenem Ausmaß, wie es Ärzte ohne Hausapotheken tun.