Neue Spitze der OÖ-Ärztekammer: Ziele, Visionen, Lösungen

Die Spitze der Ärztekammer für OÖ stellt sich neu auf. Bei der Vollversammlung am 2. Juli 2026 wurde Dr. Silke Haim einstimmig als Präsidentin gewählt. Als Kurienobmänner fungieren weiterhin DDr. Sebastian Graf (Kurie der angestellten Ärzte) sowie MR Dr. Paul Niederberger (Kurie der niedergelassenen Ärzte). Aus diesem Anlass lud die Ärztekammer für Oberösterreich am 6. Juli 2026 zu einer Pressekonferenz mit dem Thema „Neue Spitze der OÖ-Ärztekammer: Ziele, Visionen, Lösungen“ und gewährte einen Ausblick auf die Themen und Vorhaben der neuen Führung.

Fotocredit: Ärztekammer OÖ

„Ich freue mich sehr über dieses Vertrauen“, so Dr. Silke Haim nach ihrer Wahl zur neuen Präsidentin der OÖ-Ärztekammer. Erstmals in der 133-jährigen Geschichte hat die ärztliche Standesvertretung im Bundesland damit eine Präsidentin. „Dieses Vertrauen möchte ich mit meinem Team zurückgeben und die Ärzteschaft bei den aktuellen und künftigen Herausforderungen bestmöglich unterstützen“, so die Nuklearmedizinerin, die im Ordensklinikum Linz GmbH beschäftigt ist. „Es geht darum, die Ärztekammer zukunftsfit, schlank und nah an den Mitgliedern zu machen und das Gesundheitswesen in unserem Bundesland mitzugestalten.“ Die drei zentralen Schlagwörter „schlank“, „nah“ und „zukunftsfit“ wurden zuletzt auch in einer Reform-Arbeitsgruppe ausgearbeitet. „Nun geht es an die praktische Umsetzung“, so die 50-Jährige. „Im Gesundheitswesen beschäftigen uns aktuell brennende Themen, die uns noch länger begleiten werden“, spricht die Präsidentin etwa eine strukturierte Patientenlenkung, die Prävention, eine Bewusstseinsbildung der „Ressource medizinische Dienstleitung“ sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Kolleginnen und Kollegen - sowohl in der Niederlassung als auch in den Krankenhäusern - an. „Die Ärztekammer für Oberösterreich sieht sich hier als funktionierende und wichtige Standesvertretung und möchte am Verhandlungstisch Teil der Lösungen sein“, so Dr. Haim.

Prävention ausbauen

„Ein Schwerpunkt wird auf der Prävention liegen“, so Dr. Haim. Krankheiten zu verhindern oder ihre Schwere abzumildern wäre nicht nur für die Patientinnen und Patienten, sondern für das ganze Gesundheitssystem wichtig. So sollte mehr in die Aufklärung und Information der Patientinnen und Patienten investiert werden, um das nötige Bewusstsein für Prävention und Eigenverantwortung in der Bevölkerung zu schaffen. Präventionsmedizin und Gesundheitsförderung sowie Impf- und Vorsorgeprogramme müssen ausgebaut werden. „Was die Bewusstseinsbildung der Ressource medizinische Dienstleitung betrifft, müssen die Menschen wieder mehr eigene Gesundheitskompetenz aufbauen und auch erkennen, dass nicht mehr jede ärztliche Intervention zu jeder Tages- und Nachtzeit allumfänglich vorhanden sein kann“, so Dr. Haim.

Strukturelle Maßnahmen in unser Gesundheitssystem sind unzweifelhaft erforderlich. Hier geht es um Verbesserungen der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen der Leistungserbringer, also auch der Ärztinnen und Ärzte, sowohl im intra- als auch extramuralen Bereich. „Die Ausbildung spielt eine wesentliche Rolle. Hier müssen für die jungen Kolleginnen und Kollegen ausreichende Zeitressourcen geschaffen werden. „Auch hier hat die Ärztekammer für Oberösterreich in der Vergangenheit immer wieder konstruktive Vorschläge eingebracht. Wir wollen auch in Zukunft Teil der Lösung sein“, so die neue Ärztekammer-Präsidentin.

Patientenlenkung unumgänglich

Gerade eine funktionierende Patientenlenkung ist dringend notwendig und unumgänglich, um die medizinische Betreuung der Patientinnen und Patienten auf diesem hohen Niveau zu halten. „Die Menschen müssen wissen, wo sie die bestmögliche und richtige Versorgung bekommen. Darum ist es auch wichtig zu vermitteln, wo sie ins System einsteigen sollen“, so Dr. Haim. An erster Stelle der Versorgungspyramide steht immer die Eigenversorgung, danach die kostenlose telefonische Gesundheitsberatung 1450, danach der niedergelassene Arzt, die Fachärztinnen und Fachärzte und erst dann die Terminambulanz bzw. der stationäre Bereich in den Krankenhäusern. Um die Patientinnen und Patienten sinnvoll und effizient durch das Gesundheitssystem zu führen, müssen allerdings die dafür notwendigen Strukturen bereitgestellt werden.

„Eine verbindliche Patientenlenkung ist dringend notwendig, denn das entlastet auch die Spitalsambulanzen“, weiß DDr. Sebastian Graf, Kurienobmann der angestellten Ärzte in der Ärztekammer für Oberösterreich. Verschiedene Umfragen zeigen, dass knapp die Hälfte aller Patientinnen und Patienten, die in einer Terminambulanz aufschlagen, in einer niederschwelligen Struktur in der Niederlassung gut versorgt werden könnten. Dafür muss aber das extramurale Angebot gestärkt und ausgebaut werden. „Die Hälfte - diese Zahl muss ein Alarmsignal sein“, so DDr. Graf. „Die Kapazitäten in den Spitälern sind ausgeschöpft, die Spitalsambulanzen und OPs am Limit. „Das bekomme ich von den Kolleginnen und Kollegen jeden Tag zurückgemeldet. Die Wartezeiten auf Operationen explodieren, die Zahl der Menschen in den Ambulanzen steigt und es entsteht ein Problem mit der Kapazitätsplanung“, weiß der Kurienobmann. „Das medizinische Niveau und die angebotenen Leistungen am Standort Oberösterreich sind sehr hoch. Das System ist aber am Limit, weil die Patientenlenkung aktuell nicht verbindlich ist und viele Menschen in die Spitäler kommen, die medizinisch dort nicht hingehören“, so DDr. Graf.

„Oberösterreich braucht auch weiter eine moderne Gesundheitsversorgung. Wir kennen die Strukturen und wissen, wie man sie verbessern und gezielter einsetzen kann. Denn es sind unter anderem die Ärztinnen und Ärzte, die die Arbeit am Patienten machen, die Strukturen von innen kennen, weiterentwickeln und verbessern. Daher macht es auch Sinn, dass wir am Verhandlungstisch Teil der Lösung sind“, so der Kurienobmann der angestellten Ärzte.

In den letzten Monaten hat auch das Thema „Ausbildung“ für die jungen Kolleginnen und Kollegen für Unmut gesorgt. „Die Verkürzung der Basisausbildung ab 1. August von neun auf sechs Monate lässt Berufsanfänger und Träger nun besser planen“, so DDr. Graf, den auch das ungebrochene Interesse zum Aufnahmetest zum Humanmedizin-Studium freut. Allein an der JKU Linz haben sich 2289 Menschen zum MedAT angemeldet, 330 Studienplätze stehen zur Verfügung. „Diese große Anzahl ist sehr erfreulich und zeigt, dass der Beruf der Ärztin und des Arztes nach wie vor ein sehr hohes Ansehen hat“, so DDr. Graf, der ergänzt: „Diese jungen und motivierten Menschen müssen wir aber im Bundesland halten. Wir haben uns als Ärztekammer sehr für die medizinische Fakultät in Linz eingesetzt. Die bestens ausgebildeten künftigen Kolleginnen und Kollegen müssen dann aber auch in Oberösterreich einen Ausbildungsplatz bekommen.“

Niederlassung als Chance, nicht als Risiko

Neben der Stärkung der Spitäler braucht es auch eine Stärkung der Niederlassung. „Die Niederlassung der Zukunft ist attraktiv, modern und stark“, so MR Dr. Paul Niederberger. „Die wohnortnahe Versorgung ist eine der größten Stärken unseres Gesundheitssystems. Unser Ziel ist es, diese Stärke nicht nur zu erhalten, sondern weiter auszubauen“, so der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte. „Wir möchten Oberösterreich zum attraktivsten Bundesland für die Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten machen. Junge Kolleginnen und Kollegen sollen die Entscheidung für eine eigene Ordination weniger als Risiko, sondern als Chance sehen.“ Dafür braucht es aber moderne Rahmenbedingungen. Flexible Arbeitsmodelle, Teilzeitkassenstellen, Zusammenarbeit in Teams, dispensierrechtliche Abgabe von Arzneimitteln in der Ordination, neue Organisationsformen und eine zeitgemäße Infrastruktur sollen keine Zukunftsmusik mehr sein. „Wir möchten diese Zukunft gemeinsam gestalten – gemeinsam mit der Österreichischen Gesundheitskasse, gemeinsam mit dem Land Oberösterreich und mit allen Partnern im Gesundheitswesen“, so MR Dr. Niederberger.

Partnerschaft statt Gegeneinander

Der Kurienobmann betont: „Es braucht Partnerschaft statt Gegeneinander.“ Denn eine moderne Ärztekammer versteht sich nicht als Organisation des Widerspruchs, sondern als Organisation der Verantwortung. „Unser Anspruch ist es, Brücken zu bauen. Die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind zu groß, als dass sie von einer Institution allein gelöst werden könnten. Deshalb wollen wir eine neue Kultur der Zusammenarbeit leben. Unser gemeinsames Ziel ist nicht der Erfolg einer einzelnen Institution, sondern die bestmögliche Versorgung unserer Patientinnen und Patienten“, so MR Dr. Niederberger. In diesem Sinn starteten wir etwa gemeinsam mit der Landesstelle OÖ der österreichischen Gesundheitskasse im September den Folgekostendialog (FOKO).

Im Mittelpunkt steht der Mensch

„Im Mittelpunkt unseres Handelns steht immer der Mensch. Daher sollen Ärztinnen und Ärzte möglichst viel Zeit mit Medizin verbringen – und möglichst wenig Zeit mit Verwaltung. Jede Vereinfachung von Abläufen, jede sinnvolle Digitalisierung und jede Entlastung im Alltag kommt letztlich den Patientinnen und Patienten zugute. Dabei geht es nicht darum, Verantwortung abzubauen, sondern Prozesse klüger zu gestalten. „Moderne Medizin braucht moderne Strukturen“, so MR Dr. Niederberger: „Das ist unser Verständnis einer modernen Ärztekammer: Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten und gemeinsam für eine starke Gesundheitsversorgung arbeiten.“

Streckbrief Dr. Silke Haim (50) ist seit 2. Juli 2026 Präsidentin der OÖ-Ärztekammer. Die Nuklearmedizinerin ist aktive Fachärztin im Ordensklinikum Linz – Barmherzige Schwestern. Sie ist verheiratet, Mutter und lebt in Kirchberg/Thening.

Steckbrief DDr. Sebastian Graf (37) ist seit 1. Jänner 2026 Kurienobmann der angestellten Ärzte in der OÖ-Ärztekammer. Der Allgemeinmediziner und Urologe ist aktiver Facharzt im Kepler Universitätsklinikum Med Campus III in Linz. DDr. Graf ist verheiratet, Vater und wohnt in Wels.

Steckbrief MR Dr. Paul Niederberger (46) ist seit 18. September 2025 Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der OÖ-Ärztekammer. Er ist Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie in Traun. MR Dr. Niederberger ist verheiratet, Vater und wohnt in Traun.