„Falsche Zahlen lösen nicht das Versorgungsdilemma“

„Zahlen sind geduldig", heißt ein Sprichwort. Wobei dies offensichtlich auch auf die Darstellung der Zahlen an geplanten neuen Kassenstellen zutrifft. So hatte OÖ-ÖGK-Landesstellenvorsitzende Ursula Krepp zuletzt in einem Interview davon gesprochen, dass bis 2030 für Oberösterreich „100 neue Kassenstellen im neuen Plan enthalten" wären. Die Zahlen im Regionalen Strukturplan Gesundheit sprechen allerdings eine deutlich andere Sprache, auf Oberösterreich sollen demnach nur 38 entfallen. „Falsche Zahlen lösen sicher nicht das Versorgungsproblem“, sagt MR Dr. Paul Niederberger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der OÖ-Ärztekammer: „Den Patientinnen und Patienten werden mit falschen Zahlen Hoffnungen gemacht, die Realität sieht leider anders aus."

Fotos: Mathias Witzany

Blickt man etwas tiefer auf die Zahlen, wird es nicht besser. Von den 38 Stellen entfallen nur vier auf die Allgemeinmedizin, 31 auf Facharztstellen und drei auf den Zahn- und Kieferbereich. „Nur vier Stellen im hausärztlichen Bereich sind ein Schlag ins Gesicht der Patientinnen und Patienten. Viele finden aktuell schon keinen Hausarzt, dazu wird die stetig wachsende Bevölkerung immer älter und multimorbider“, so Dr. Johanna Holzhaider, Kurienobmann-Stv. in der OÖ-Ärztekammer und selbst Allgemeinmedizinerin.


„Mit diesen Zahlen wird von Seiten der ÖGK wieder einmal die vertragsärztliche Situation in Oberösterreich schöngeredet“, so MR Dr. Niederberger: „Dieser Versuch scheitert aber an der täglichen Realität der Versicherten. Diese Realität kennt inzwischen jeder Oberösterreicher, der versucht, einen ÖGK-Vertragsarzt zu finden oder zeitnah einen Termin zu bekommen.“
Wobei die ÖGK-Landesstellenleiterin im Interview auch davon spricht, „die 100 Planstellen besetzen zu wollen, sofern wir Ärzte finden.“ „Wir haben der Österreichischen Gesundheitskasse immer wieder Vorschläge gemacht, wie man Planstellen für die Kolleginnen und Kollegen attraktiv gestalten kann. Die ÖGK schließt sich unseren Vorschlägen hier aber leider nicht an“, so MR Dr. Niederberger.


Vielmehr wird munter mit falschen Zahlen jongliert. Nun kommt es zu einer österreichweiten Verteilung der neuen Kassenstellen, die den Bundesländern sauer aufstößt. Allein auf Wien entfallen 215 Stellen, auf Oberösterreich nur 38, obwohl Wien nur knapp ein Viertel mehr Einwohner hat. Das sorgt auch ÖGK-intern für Kritik. So hatte etwa Salzburgs Vorsitzender des ÖGK-Landesstellenausschusses Thom Kienberger Kritik geübt.