Basisausbildung verkürzen statt Drüberfahren

Für Unmut sorgt das Thema „Basisausbildung“. Nicht alle Medizin-Absolventen finden aktuell unmittelbar nach dem Studium einen Platz für diese verpflichtende neunmonatige Ausbildung. Verschärfend kommt hinzu, dass die Bundespolitik ab 1. Juni 2026 eine Gesetzesnovelle plant, die zur weiteren Unsicherheit bei allen Beteiligten führt. Eine pragmatische Lösung ist dringend notwendig.

 

Fotocredits: Binder / Witzany

„Die österreichische Ärztekammer hat von Anfang an auf diese Unsicherheit hingewiesen und bis zuletzt Alternativmodelle vorgeschlagen“, sagt DDr. Sebastian Graf, Kurienobmann der angestellten Ärzte in der OÖ-Ärztekammer: „Selbst eine eigens vom Ministerium beauftragte Expertenkommission hält die Novelle in dieser Form weder für notwendig noch sinnvoll. Auch die Studenten- und Trägervertreter warnen lautstark vor dieser Novelle.“ Zusammengefasst: Alle Stakeholder im Gesundheitssystem halten die Gesetzesnovelle für eine schlechte Idee.

„Aus dem Gesundheitsministerium kommt weiterhin keine Klarstellung, auf was sich alle Beteiligten konkret einstellen sollen“, so DDr. Graf. Die OÖ-Ärztekammer schlägt vor: „Die Basisausbildung ist eine wichtige erste Phase der Facharztausbildung, hat sich in letzter Zeit aber aufgrund der Diskrepanz zwischen Anzahl der Ausbildungsstellen und Absolventen zum Flaschenhals entwickelt. Ist es das Ziel, diesen Flaschenhals zu entschärfen, wäre es vernünftiger, die Basisausbildung in einem sinnvollen Rahmen zu verkürzen, anstatt bürokratische Hürden und Rechtsunsicherheit zu schaffen. Das hat auch der Vorstand der österreichischen Ärztekammer so vorgeschlagen.“ Das würde Spielraum schaffen und mehr Absolventinnen und Absolventen einen Platz einräumen. „Das ist eine pragmatische und gute Lösung und fördert die Entbürokratisierung anstatt eines unklaren Prozesses für alle Beteiligten.“

Basisausbildung erfüllt wichtigen Zweck

Turnusärzte-Vertreterin Dr. Cornelia Anleitner hebt den Stellenwert der Basisausbildung hervor: „Die Gesetzesnovelle macht keinen Unterschied mehr zwischen einem Universitätspraktikum und der Facharztausbildung. Dabei ist diese erste Zeit in der Klinik wichtig, um in der Verantwortung der Patientenversorgung anzukommen und die Entscheidungsstrukturen im Spitalsdienst zu lernen. Die passiert im KPJ nicht. Während des KPJ war man als Student zwar klinisch eingebunden, hatte aber nie eigenverantwortlich Patientenaufnahmen durchgeführt, akute Entscheidungen nachts treffen müssen oder die organisatorische Verantwortung einer Stationsarbeit getragen. Tätigkeiten wie Dienstübergaben, Priorisierung mehrerer Akutfälle gleichzeitig oder rechtlich relevante Anordnungen erfolgen im KPJ überwiegend unter enger Anleitung. Nun wird man nach wenigen Wochen regulär in den Dienstplan integriert. In einer Nachtdienstsituation muss man plötzlich allein entscheiden, welcher Patient zuerst gesehen wird, welche Diagnostik unmittelbar notwendig ist und wann Oberärzte alarmiert werden müssen. Wenn jetzt die gesamte Basisausbildung quasi übersprungen werden kann, dann fehlt den angehenden Medizinern ein stabiles Fundament. Da ist es das geringere Übel, Klarheit zu schaffen und sie zu verkürzen.“

Ärzteschaft im Bundesland halten

DDr. Graf verdeutlicht: „Wir haben uns in Oberösterreich sehr für die Medizinische Fakultät in Linz eingesetzt. Es kann nicht sein, dass wir junge Kolleginnen und Kollegen exzellent ausbilden und diese dann das Bundesland verlassen, weil sie keinen Ausbildungsplatz bekommen. Es liegt allein an den Trägern, genug Plätze für die Basisausbildung zu schaffen. Jedes Haus kann so viele Basisärztinnen und -ärzte aufnehmen, wie es will und es gibt im Gegensatz zu Facharzt-Ausbildungsstellen keine starren strukturellen Voraussetzungen.“ Meist scheitert es aber am Willen. Dabei ist die Basisausbildung in Oberösterreich sehr beliebt, knapp 71 Prozent schätzen laut Umfrage diese Art der Ausbildung. „Wir bieten eine sehr gute Ausbildung an. Diese muss gestärkt werden. Das hilft allen, den Trägern, den Patientinnen und Patienten und den jungen Kolleginnen und Kollegen.“