Die nun vorliegende Beantwortung der parlamentarischen Anfrage 6276/J zum Ärztemangel in Oberösterreich liefert aktuelle Zahlen zur vertragsärztlichen Versorgung im Bundesland. Diese Anfrage bestätigt den dringenden Handlungsbedarf. Die Ärztekammer für Oberösterreich sieht erste Anzeichen eines Umdenkens bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), will diese aber an konkreten Maßnahmen messen.
Zum Stichtag 30. Juni 2026 waren österreichweit 333 Kassenarztstellen unbesetzt, davon 46 in Oberösterreich. Besonders betroffen sind die Allgemeinmedizin und Familienmedizin mit 26 sowie die Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit 13 offenen Stellen. Weitere sechs offene Stellen betreffen die Dermatologie und eine die Kinder- und Jugendheilkunde. Für die Ärztekammer für Oberösterreich bestätigen diese Zahlen eine Entwicklung, vor der die ärztliche Standesvertretung seit Jahren warnt. Eine ausreichende Zahl von Planstellen allein garantiert noch keine Versorgung. Entscheidend ist, ob Ärztinnen und Ärzte bereit sind, diese Stellen unter den angebotenen Rahmenbedingungen tatsächlich zu übernehmen und langfristig als Vertragsärzte tätig zu sein. „46 unbesetzte Kassenarztstellen sind kein abstraktes Planungsproblem. Hinter jeder längerfristig nicht besetzten Stelle stehen Patientinnen und Patienten, für die Wege länger und Termine schwieriger werden. Wer Versorgung sichern will, muss daher vor allem dafür sorgen, dass Vertragsmedizin wieder eine attraktive berufliche Perspektive ist“, betont MR Dr. Paul Niederberger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der OÖ-Ärztekammer.
Ärztekammer wird sich konstruktiv einbringen
Die Gesundheitsreform 2023/24 hat gleichzeitig die Verantwortlichkeiten in der Versorgungsplanung verändert. Die wesentlichen regionalen Kapazitätsvorgaben werden über die Regionalen Strukturpläne Gesundheit festgelegt, die von Land und Sozialversicherung beschlossen werden. Die Ärztekammer wird ihre medizinische und versorgungspolitische Expertise weiterhin konstruktiv einbringen und konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung der Vertragsmedizin vorlegen.
Positives Umdenken in der ÖGK
Positiv bewertet die Ärztekammer, dass auch innerhalb der Österreichischen Gesundheitskasse zunehmend ein Umdenkprozess erkennbar ist. Die Erkenntnis, dass offene Stellen nicht allein durch wiederholte Ausschreibungen besetzt werden können, sondern attraktive Rahmenbedingungen benötigen, ist eine wesentliche Voraussetzung für Verbesserungen. Dazu gehören zeitgemäße Honorierung und Verträge, weniger Bürokratie, flexible Kooperationsmöglichkeiten, Teilzeitkassenverträge, Planungssicherheit und ausreichend Zeit für die medizinische Betreuung. „Wir wollen gemeinsam Lösungen entwickeln und werden jede sinnvolle Maßnahme unterstützen. Gleichzeitig werden wir die ÖGK an ihren Taten messen. Entscheidend ist nicht die Zahl der Ankündigungen oder Ausschreibungen, sondern ob es tatsächlich gelingt, Ärztinnen und Ärzte wieder stärker für einen Kassenvertrag zu gewinnen“, unterstreicht MR Dr. Niederberger.
Ziel: Starker niedergelassener Bereich
Die Ärztekammer für Oberösterreich werde daher auch künftig auf drohende Versorgungslücken hinweisen. Ziel müsse ein starker niedergelassener Bereich sein, in dem Vertrags- und Wahlärzte ihren jeweiligen Beitrag zu einer wohnortnahen Versorgung leisten können. „Wir stehen für konstruktive Zusammenarbeit bereit. Aber Attraktivierung darf kein Schlagwort bleiben. Am Ende zählt, ob sich die Arbeitsbedingungen für die Kolleginnen und Kollegen tatsächlich verbessern – und damit auch die Versorgung der Bevölkerung.“
Foto: ÄKOÖ