Verärgerung, Aufregung, aber auch Dank

Turbulente und emotionale Wochen liegen hinter uns, voller Aufregung, Verärgerung, aber auch Dank. Verärgerung über sogenannte Taxifahrten, über Doppelbezüge. Aufregung über Massagen. Aber auch Dank dafür, dass Kolleginnen und Kollegen bereit sind, Verantwortung für die Ärzteschaft zu tragen. Auf meinen Brief, der per E-Mail an jede Ärztin und jeden Arzt ausgeschickt wurde, bekam ich viele Reaktionen in Form von Mails retour. Danke dafür. Ich bedanke mich auch für die vielen Wünsche nach einem persönlichen Telefonat mit mir. Ich konnte viele Gespräche führen, auch sehr emotionale, aber gerade diese Emotionen sind wichtig,um Dinge anzustoßen.

Nochmals zu besonderen Aufregern in den Retourmails: wie ich festgehalten habe, gab es vor meiner Präsidentschaft in der Ärztekammer für Oberösterreich einen Mitarbeiter, der mit einem im Besitz der Kammer stehenden Auto Fahrtendienste übernahm – also einen Dienstwagen. Es gibt einzelne Kammern in Österreich, die einen Dienstwagen oder Dienstleister für Fahrten nutzen, vor allem Kammern von flächengroßen Bundesländern. In Oberösterreich bedienen wir uns hier eines kostengünstigen Dienstleisters, der im Anlassfall Fahrten abwickelt. Zum Beispiel sind Fahrten nach Wien nötig, die zum Arbeiten zum Wohle für die Ärzteschaft genützt werden, und da braucht’s auch oft vertrauliche Akten, die nicht immer zugtauglich sind. Auch die Anreise von Schärding nach Wien lässt sich effizienter hinsichtlich der zeitlichen Abläufe durch einen Fahrtendienst übernehmen, dessen Kosten nicht die Ärztekammer für Oberösterreich trägt.

Diese Themen geben aber natürlich auch Anlass zu überprüfen, ob alle Abläufe noch zeitgemäß sind. Im letzten Vorstand haben wir daher auch einstimmig den Beschluss gefasst, dass die ÖÄK in Abstimmung mit den Länderkammern eine neue, transparente Abgeltung für Funktionärinnen und Funktionäre erarbeiten muss, die sowohl Arbeit für die Ärztinnen und Ärzte in einer Landes- also auch in der Bundesfunktion leisten.
Da verstehe ich viele kritische Anmerkungen. Es ist vieles in Bewegung gekommen, das in den nächsten Wochen und Monaten an die Herausforderungen der neuen Zeit angepasst wird. Aber ich möchte schon auch festhalten, dass sich Dr. Harald Mayer über die Jahre hinweg wirklich mit großem Engagement für die angestellten Kolleginnen und Kollegen eingesetzt hat.
 

Die Kammerarbeit und die Anforderungen unserer Mitglieder unterliegen einem ständigen Wandel. Wir verwehren uns diesen Strömungen nicht – ganz im Gegenteil. Die Weiterentwicklung der Ärztekammer für Oberösterreich ist uns ein großes Anliegen, daher haben wir auch eine fraktionsübergreifende Reformarbeitsgruppe ins Leben gerufen, um das gesamte Angebot mit besonderem Augenmerk auf die Zweckmäßigkeit und auf Transparenz weiterzuentwickeln.

In dieser Ausgabe stellt sich der neue Kurienobmann der angestellten Ärztinnen und Ärzte vor: DDr. Sebastian Graf, Urologe am KUK. Ein junger Arzt, den ich als sehr engagiert kennengelernt habe. Er hat sich schon seit seiner Turnusärzte-Zeit für die Kolleginnen und Kollegen eingesetzt. DDr. Graf ist mit einer Ärztin verheiratet und hat zwei Kinder. Er weiß somit aus eigener Erfahrung, was die Kolleginnen und Kollegen, die in einem ähnlichen Setting sind, in der Organisation zwischen Arbeit und Beruf an Unterstützung brauchen. In einer Organisation wie der Ärztekammer ist es notwendig, den Umstieg von den „Älteren“ zu den Jüngeren kontinuierlich zu planen, um Wissen und Erfahrungen weiterzugeben. Das ermöglicht es, neue Ideen für die Kolleginnen und Kollegen zu entwickeln. Diese Übergabe in der Kurienfunktion ist leider – oder vielleicht gerade zum Glück – in einer stürmischen und sehr emotionalen Zeit passiert. Ich bin aber immer davon überzeugt, dass Emotionen zeigen, dass einem eine Organisation nicht egal ist, und dass diese Emotionen – wenn der Blutdruck und der Ärger wieder nachgelassen haben – zu neuen Ideen und Zugängen führen. Ich bin mir sicher: das neue/alte Triumvirat in den Kurien der angestellten und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wird mit vollem Engagement in das Jahr 2026 starten.

Ihr Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz, im Jänner 2026