Lehrpraxis Kinderheilkunde

Ein Problem, das schon lange im Bund mit dem Ministerium besprochen wird, haben wir in Oberösterreich mit einem befristeten Pilotprojekt gelöst: Junge Kolleginnen und Kollegen, die in Ausbildung zur Fachärztin/zum Facharzt für Kinder- und Jugendheil-kunde stehen, haben die Möglichkeit, eine Lehrpraxis zu absolvieren. Nicht alle, aber doch zehn Auszubildende in Oberösterreich können dieses Angebot nun nutzen.

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Kinderärztinnen und Kinderärzte, die sich niederlas-sen wollen, sind ein rares Gut in Oberösterreich, aber auch in ganz Österreich. Ja, ich weiß, es gibt dafür viele Gründe, aber einer ist jener, dass die Kolleginnen und Kollegen während der Ausbildung im Spital nie die Realität in einer Praxis kennenlernen. Ich möchte mich hier bei Dr. Peter Kahr, dem Fachgruppenobmann für Kinder- und Jugendheilkunde, bedanken, der bei diesem Projekt nie lockergelassen hat. Eine zum Start der Verhandlung durchgeführte Umfrage unter den AssistentInnen in Oberösterreich hat klar gezeigt, dass der deutliche Wunsch vorliegt, einen Teil der eigenen Ausbildung in der Kassenpraxis zu absolvieren. Dies muss aber auch auf die Bereitschaft der Niedergelassenen treffen, eine solche Lehrpraxis anzubieten und der jungen Kollegin bzw. dem jungen Kollegen einen Teil des Gehaltes zu bezahlen. Diese Bereitschaft ist in Oberösterreich in einem hohen Ausmaß vorhanden. Wesentlich war auch, dass die ÖGK Regionalstelle OÖ die Lösung ebenfalls mitfinanziert und mitträgt. Hier sieht man wieder, wie wichtig es ist, auch in stürmischen Zeiten ein gutes Gesprächsklima zu haben, denn nur so lassen sich Probleme zufriedenstellend für beide Seiten lösen.

LEHRPRAXIS IN ALLEN EVALUATIONEN AN DER SPITZE

In den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Evaluationen zur Wertigkeit der Ausbildung in der Lehrpraxis bei der Allgemeinmedizin. Sowohl in den Umfragen des Hauptverbandes als auch der österreichischen Ärztekammer wurde die Qualität der Ausbildung in der Lehrpraxis insgesamt als hervorra-gend bewertet. So heißt es etwa: Das Lehrpraktikum wurde von LehrpraktikantInnen als sehr wichtig für die spätere Selbstständigkeit beschrieben. Die Tätigkeit in einer niedergelassenen Ordination nehme die Angst vor der Errichtung einer eigenen Praxis. Das regelmäßige Ordinieren und die Betreuung durch erfahrene AllgemeinmedizinerInnen ermögliche den Erwerb essenzieller Kompetenzen der „Betriebsführung“. Angeführt wurde von den LehrpraktikantInnen auch der Erwerb von Kompetenzen im Hinblick auf die Patientenbehandlung und -begleitung. Auf der fachlichen Ebene würden neue Krankheitsbilder an die LehrpraktikantInnen herangetragen, die im Spital normalerweise nicht behandelt würden. Ebenso seien auch die LehrpraxisinhaberInnen von der Zusammenarbeit, dem Wissensaustausch und auch von der Arbeitsentlastung, die LehrpraktikantInnen nach einer gewissen Zeit in den Arbeitsalltag einbringen, begeistert. Diese Umfrageergebnisse waren schlussendlich auch in Oberösterreich der wichtigste Faktor, die Umsetzung der Lehrpraxis für Kinderärztinnen und Kinderärzte in unserem Bundesland zu starten. Eine weitere sehr positive Folge dieser Evaluationen ist nun das Fortschreiben der Lehrpraxisfinanzierung der Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin durch das Bundesministerium, das ja auf der Kippe gestanden ist.

IMPFEN IN DEN ORDINATIONEN

Ich möchte mich bei allen Kolleginnen und Kollegen recht herzlich dafür bedanken, dass Sie sich bei der nicht ganz einfachen Aufgabe des Impfens von RisikopatientInnen engagieren. Ich weiß um den nötigen Aufwand, der damit verbunden ist, und um die vielen Telefonate mit PatientInnen, die sich der Hochrisikogruppe zugehörig fühlen. Um den logistischen Aufwand, um den Ärger über die sich fast täglich ändernden Impfprioritäten und Anzahl der Vials, die geliefert werden oder auch nicht. Wir erleben dieses Wechselbad der Gefühle fast stündlich in den neuen Verordnungen des Bundes, die dann mühsam aber schnell praxistauglich gemacht werden müssen, um das Impfen halbwegs reibungslos zu ermöglichen. Ich bitte Sie einfach um etwas Nachsicht, wenn hier die Organisation nicht genau auf die Bedürfnisse jeder einzelnen Praxis zugeschnitten ist. Jede und jeder von Ihnen arbeitet jedoch vorbildlich daran, dass diese Pandemie im Sommer eingegrenzt ist und wir endlich einmal wieder in einen Gastgarten, ins Sommertheater oder auf den Fußballplatz gehen können, ohne Angst vor einer Infektion haben zu müssen. Wir Ärztinnen und Ärzte, sowohl im Spital als auch draußen in den Ordinationen, machen das möglich. Das wird und muss sich auch in Zukunft in der Wertschätzung der Politik niederschlagen – dafür werden wir gemeinsam sorgen.

Ihr Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz, im April 2021