Basisausbildung im Fokus

Die Wartezeiten auf die Basisausbildung sind in den letzten Monaten zunehmend in den Fokus gerückt. Warum ist man eigentlich auf die Idee gekommen, eine Basisausbildung einzuführen?

Dazu kann ich etwas zur Erklärung beitragen, da ich damals als Vertreter der ÖÄK maßgeblich an der Ärzte-Ausbildungsordnung 2015 beteiligt war. Ein Hintergrund war der Wunsch der Fach- und wissenschaftlichen Gesellschaften – die für den Inhalt der Rasterzeugnisse verantwortlich waren –, die Gegenfächer abzuschaffen, um mehr Ausbildungszeit für das Sonderfach zu gewinnen.
Diese Idee basierte unter anderem auf dem Wissen um das Curriculum des KPJ (Klinisch-Praktischen Jahres) in der universitären Ausbildung, das bereits viele „handwerkliche“ Fertigkeiten in den verschiedenen medizinischen Teilbereichen vermittelt. Den Vertretern der ÖÄK war jedoch klar, dass diese „handwerklichen“ Fähigkeiten – die sich laut Uni-Curriculum eher unter dem Begriff „Erfahrungen“ einordnen lassen (also Tätigkeiten, deren Ablauf und Hintergründe man kennt, ohne sie selbst praktisch durchgeführt zu haben) – letztlich nicht ausreichen. 

NEUN-MONATIGE BASISAUSBILDUNG BRAUCHT KEINE STELLENBEWILLIGUNG
Nach langen Diskussionen hat man sich gemeinsam auf eine neun-monatige Basisausbildung geeinigt, um nochmals ein breites Wissen der medizinischen Grundversorgung in chirurgischen und klinischen Fächern zu vermitteln – und dies in einem anderen rechtlichen Status, was die  Eigenverantwortlichkeit betrifft. Wichtig war mir dabei auch, dass ein klares Ausbildungscurriculum festlegt, welche Inhalte zu erlernen sind, und dass Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit erhalten, mehrere unterschiedliche Sonderfächer kennenzulernen. So können sie auf Grundlage der in der Basisausbildung erworbenen Fähigkeiten und des im KPJ angeeigneten Wissens eine fundierte Fachentscheidung treffen. 

Ebenso entscheidend für meine Zustimmung zur Basisausbildung war die Chance, vor der Spezialisierung nochmals die Breite der Medizin kennenzulernen, denn ein größerer Erfahrungsschatz hilft einem immer bei täglichen Entscheidungen. Es wurde damals auch vom Gesetzgeber klar festgelegt, dass es für die Zahl der Basisstellen in den Krankenanstalten hinsichtlich der Leistungszahlen keine gesonderte strukturelle Bewilligung braucht. Die Träger haben hier also freie Hand. Es ist also die Entscheidung der Trägerorganisationen, diesen Flaschenhals zu beseitigen. Macht die Türen auf liebe Träger!!! Draußen stehen viele junge engagierte Kolleginnen und Kollegen, die wir in Oberösterreich bestens ausgebildet haben. Wir brauchen sie, um auch in Zukunft die Versorgung bestmöglich aufrechtzuerhalten!
 

WAHLARZT-BASHING GEHT WEITER
Derzeit scheint es politische Mode geworden zu sein, auf Wahlärztinnen und Wahlärzte hinzuhacken. Lieber sollten uns die Parteien dabei helfen, die Rahmenbedingungen des Kassenvertrages so zu verbessern, dass die Kassenmedizin sowohl für die derzeit tätigen Ärztinnen und Ärzte als auch für die kommende Generation wieder attraktiver wird. Dazu hält die Spitze der ÖÄK in einer Presseaussendung fest, dass die steigende Anzahl an Wahlärztinnen und Wahlärzten nicht auf fehlendes Interesse an der Kassenmedizin zurückzuführen sei, sondern auf Arbeits- und Rahmen-bedingungen, die nicht zu den Lebensrealitäten passen würden: „Jeder Kassenarzt mehr ist ein Gewinn für das System – egal, ob in Voll- oder Teilzeit“, wurde in der Aussendung betont. „Wenn Spitalsärzte besonders in einer unterversorgten Region anbieten, auch kassenärztlich tätig zu sein, so wird dies von der Sozialversicherung abgelehnt!“, kritisierte Wutscher. Die Folge: Die Vereinbarkeit von Tätigkeiten im Spitalsbereich mit der langfristigen Patientenbetreuung ist nur möglich, wenn man als Wahlarzt arbeitet – das sei nur eines von vielen Beispielen. Es sei zu hoffen, dass die Gesundheitsministerin die Kassenmedizin stärken wolle: „Aber das geht nicht auf dem Wege, das funktionierende Wahlarztsystem einzuschränken oder regulieren zu wollen, sondern auf dem Wege, das Kassensystem zu verbessern“, sagt Wutscher. Wahlärzte seien nämlich nicht die Ursache, dass Kassenstellen unbesetzt blieben, sondern ein Abbild der fehlenden Attraktivität im Kassensystem.

Ihr Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz, im April 2026