AllgemeinmedizinerInnen braucht das Land

Im Monat Mai gab es zwei Veranstaltungen, die sich an die jungen Kolleginnen und Kollegen richteten, um diese für die Allgemeinmedizin zu begeistern: eine Veranstaltung in der OÖGKK, die sich eher an Studierende richtete sowie eine in der Ärztekammer für Oberösterreich – den Bericht lesen Sie in dieser Ausgabe.

Dr. Peter Niedermoser

Ich bin viel in den Krankenhäusern unterwegs und in letzter Zeit habe ich auch einige KPJ Studierende kennengelernt. Was fordert der ärztliche Nachwuchs von uns? Wie können wir die Allgemeinmedizin schmackhaft machen? Einige Schlagworte: mehr Kooperationsformen, bessere Vorbereitung auf dem Weg in den Berufseinstig, sowohl in der medizinischen als auch in der betriebswirtschaftlichen Ausbildung, fachliche Gleichstellung im Sinne einer „echten“ Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, Finanzierung von genügend Ausbildungsplätzen durch die Träger und die Politik, Möglichkeiten zur Lehrpraxis bereits am Beginn der Ausbildung, moderne Leistungskataloge mit adäquater Bezahlung und einiges mehr. In beiden Veranstaltungen war aber auch zu merken, dass die jungen Kolleginnen und Kollegen, aber besonders die Studierenden zu wenig darüber informiert sind, was in Oberösterreich bereits möglich ist. Hier haben wir nicht genug Information an die richtigen Personen weitergegeben: ob das bezahlte Monat im KPJ in der Allgemeinpraxis, das Mentoring oder die verstärkten Weiterbildungsmöglichkeiten in Betriebswirtschaft – in Oberösterreich tut sich ja schon einiges, auch auf Basis der guten Zusammenarbeit der Systempartner.

POSITIVE DARSTELLUNG IST WICHTIG
Natürlich ist nicht alles eitel Wonne und man könnte einige Probleme aufzählen. Jeder Beruf lebt aber unter anderem auch von seinem Ansehen, seinem Image, wie man heute sagt. Da haben mich Aussagen von jungen Studierenden, wohlgemerkt nicht von der Linzer Uni, sehr getroffen. Anscheinend hören sie oft von jenen Professoren, die sie an den Unis ausbilden: „Macht etwas Gescheites, werdet nicht Praktiker sondern Facharzt.“ So etwas darf nicht sein, das wertet ab. Jedes Fach hat seine Bedeutung und ist gleichwertig zu den anderen Fächern! Als Pathologe könnte ich da auch einige Geschichten erzählen. Ich verstehe die derzeit in den Ordinationen oft stark belasteten Kolleginnen und Kollegen, dass Sie oft vergessen, über die schönen Seiten ihres Berufes zu sprechen. Menschen kann man aber nur dadurch begeistern, indem man ihnen vorlebt, wie schön ein Beruf ist und das auch erzählt, aber nicht glorifiziert. Hier müssen wir gemeinsam daran arbeiten, dass diese Botschaft bei den jungen Kolleginnen und Kollegen wieder ankommt! Die Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner sind die Basis der medizinischen Versorgung eines Landes und deshalb unverzichtbar.

POLITISCHER UMBRUCH?
Als ich das Editorial schrieb, war ich noch ganz aufgewühlt angesichts der politischen Vorgänge in unserem Land. Eine Wahl steht wieder vor der Tür. Jeder von uns muss sicher wieder genau überlegen, welcher Gruppierung er das Vertrauen schenkt. Das ist natürlich eine zutiefst persönliche Entscheidung. Als Ärztinnen und Ärzte dürfen wir bei unserer Entscheidung aber nicht unseren Beruf und unsere Verantwortung für die Patientinnen und Patienten aus den Augen verlieren. Der Erhalt einer exzellenten medizinischen Versorgung muss gewährleistet bleiben. Der Arztberuf ist, ob wir nun angestellt sind, oder in einer Praxis arbeiten, ein freier Beruf. Angehörige freier Berufe erbringen aufgrund besonderer Qualifikationen – persönlich, eigenverantwortlich und fachlich unabhängig – Leistungen im Interesse ihrer Auftraggeber und der Allgemeinheit, heißt es in einer Definition der freien Berufe. Unsere Auftraggeber sind die Patientinnen und Patienten. Für sie müssen wir weiterhin die Möglichkeit haben, das Gesundheitssystem führend mitzugestalten – ohne staatliche Gängelung. Auch das sollte in die Überlegungen miteinfließen. Lassen wir uns überraschen. Die Verantwortung liegt nun wieder bei uns Bürgerinnen und Bürgern.

Ihr Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz, im Juni 2019