„Statt Schnellschüsse gemeinsam Versorgung stärken"

In ausgewählten Apotheken in den Pilotregionen Oberösterreich und Wien sollen bis Ende Juni mittels der App "ApoDoc" Arztgespräche über Videotelefonie vermittelt werden. In einem Beratungszimmer soll via Tablet Kontakt zu einer Ärztin oder einem Arzt hergestellt und ein E-Rezept ausgestellt werden, so Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr.

„Arztgespräche sind sensibel und müssen in einem Umfeld passieren, das dafür auch optimal ausgelegt und eingerichtet ist. Das Hinterzimmer einer Apotheke ist dafür gänzlich der falsche Ort“, sagt Dr. Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich. „Natürlich wird die Telemedizin in Zukunft ein ganz wichtiger Baustein in der Gesundheitsversorgung sein. Hier sollte aber der erste Ansprechpartner die Ärztin bzw. der Arzt des Vertrauens sein. Der Schutz des Patienten, die Diskretion, die räumlichen Voraussetzungen in diesem Bereich sind Grundvoraussetzungen für ein funktionierendes System und kein Gespräch zwischen Tür und Angel“, so Dr. Niedermoser.

Zu hinterfragen ist auch die Tatsache, dass hinter der Umsetzung ein großer, privater Versicherungskonzern als Partner steckt. „Finanzielle Interessen dürfen überhaupt keine Rolle spielen“, so Dr. Niedermoser. Der OÖ-Ärztekammer-Präsident appelliert anstatt der Schnellschüsse der Apothekerkammer-Präsidentin zu einem gemeinsamen Schulterschluss in Richtung besserer Versorgung für die Bevölkerung. „Um dieses Pilotprojekt zu rechtfertigen, wird argumentiert, dass damit die Spitäler entlastet werden. Viel wichtiger ist eine Entlastung des gesamten Gesundheitsbereichs, also neben den Spitälern auch die dringend notwendige Entlastung und der Ausbau des niedergelassenen Bereichs“, so Dr. Niedermoser, der die Hand in Richtung Apothekerkammer ausstreckt: „Es wäre doch viel besser, sich gemeinsam darum zu kümmern, dass die Österreichische Gesundheitskasse endlich gute Rahmenbedingungen schafft, dass sich die jungen Kolleginnen und Kollegen, die in der Linzer Medizinischen Fakultät ausgebildet werden und für die sich auch die Apothekerkammer eingesetzt hat, in Oberösterreich niederlassen und die Versorgung übernehmen. Bleiben wir doch bei dem, was wir können, bei dem, was jede Berufsgruppe in seiner Ausbildung gelernt hat.“

Fotocredit: Mathias Witzany