Honorarsummenlimit - Der Fluch der Mehrleistung!

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein junger ambitionierter Facharzt, der nach einer langjährigen Ausbildung den Schritt in die Selbstständigkeit wagt und sich als Kassenarzt niederlässt. Sie haben viel in Ihre Praxis investiert – schließlich hängt auch Ihre Zukunft davon ab! Die Praxis läuft gut an und dann auf einmal eröffnet neben Ihnen ein Kollege eine Ordination und Sie verlieren Patienten. Aus dem Kollegen wird ganz schnell ein Konkurrent – natürlich wären Sie froh, wenn sein Umsatz begrenzt wird und auch Sie finanziell überleben können. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie sind der einzige Kollege weit und breit und alle Patienten konsultieren Sie. Eine Begrenzung des Umsatzes? Undenkbar! Beides der Titel der gleichen Geschichte: Honorarsummenlimit…

Als in den 1980er Jahren das Honorarsummenlimit in die Honorarordnung der damaligen oberösterreichischen Gebietskrankenkasse eingeführt wurde, hatte dies viele Gründe: Zum einen war es immer oberstes Ziel der Standesvertretung der Ärztekammer für Oberösterreich für eine gerechte Verteilung der Geldmittel, die nur im begrenzten Maße zur Verfügung stehen, innerhalb der Ärzteschaft zu sorgen. Zum anderen ist das Honorarsummenlimit vor allem auch dadurch entstanden, dass die oberösterreichische Gebietskrankenkasse eine große Angst davor hatte, Kassen- bzw. Vertragsärzte könnten ihre persönlichen Einnahmen und ihren Umsatz durch die Erbringung von medizinisch nicht notwendigen Zusatzleistungen erhöhen.

In Zeiten, in denen zumindest noch alle Kassenstellen von Ärztinnen und Ärzten, die sich gerne niederlassen wollten, besetzt werden konnten, wohnte zwar den Honorarsummenlimitierungen immer auch ein leistungsfeindlicher Charakter inne, wurden diese innerhalb der Ärzteschaft aber zumindest akzeptiert. Denn sie ermöglichte ein gemeinsames Nebeneinander der Fachärzte.

Honorarsummenlimit: Ewiger Zankapfel

Dieses Bild hat sich grundlegend gewandelt: Die zunehmende Unattraktivität der Kassenverträge, bringt die im Kassensystem verbliebenen Ärzte immer mehr unter Druck und führt zu einer rasanten Abwärtsspirale. Unzufriedene Patienten, lange Terminwartezeiten, übervolle Ordinationen – um diese Flut an Patienten überhaupt bewerkstelligen zu können, arbeiten niedergelassene Ärzte über ihrem Limit. Am Ende des Quartals steht aber kein Plus auf der Quartalsabrechnung, sondern diese Mehrleistungen werden in Form der Honorarsummenlimitierungen vom abgerechneten Honorar abgezogen. Ein Schlag ins Gesicht der gesamten Ärzteschaft!

Jahrelang zähes Ringen um Abschaffung der Limitierungen

Seit vielen Jahren sind Erleichterungen bei den Honorarsummenlimitierungen, die von Fachärzten als besonders leistungsfeindlich empfundenen werden, eine zentrale Forderung bei den Honorarverhandlungen. In der Vergangenheit konnte sukzessive ein stufenweiser Abbau der nicht mehr zeitgemäßen Facharztlimitierungen erreicht werden. Im Jahr 2018 gelang ein historischer Durchbruch: Durch umfangreiche strukturelle Änderungen konnte sowohl das Honorarsummenlimit für die allgemeinen Fachärzte weitgehend beseitigt, sowie die Auswirkungen der Staffelung der Grundleistungsvergütung für Ärzte für Allgemeinmedizin beträchtlich entschärft werden. Das Erreichen dieses Meilensteins hatte allerdings einen erheblichen Wermutstropfen und trägt einen Namen – gesetzliche AUSGABENBREMSE! Sämtliche Honorarabschlüsse Österreichs mussten sich im Rahmen der jeweiligen Beitragseinnahmensteigerung bewegen, wodurch für den oberösterreichischen Honorarabschluss im Jahr 2018 nur die Möglichkeit blieb, den größten Teil der Strukturmittel als rückwirkende Prämienzahlung zu finanzieren. Diese Prämienzahlung hatte den Nachteil, dass sie nur für ein Jahr, also 2018, verbindlich vereinbart werden konnte und somit das Honorarsummenlimit wie ein Damoklesschwert weiterhin über den Köpfen der oberösterreichischen Ärzteschaft schwebte. Von Seiten des Verhandlungsteams wurde der Kasse gegenüber von Anfang an klargestellt, dass man sich diesen Betrag auch für die Zukunft nicht wegnehmen lassen werde und es einen Honorarabschluss für 2019 nur unter einer bedingungslosen Fortsetzung der erhöhten Honorarsummenlimitierungen und Grundleistungsstaffeln geben könnte!

Nach langen und intensiven Honorarverhandlungen 2019 gelang es schlussendlich das Honorarsummenlimit soweit anzuheben, dass künftig nur mehr jeder Fünfte Facharzt davon betroffen sein wird. Zusätzlich konnten die Auswirkungen der Grundleistungsstaffeln bei Allgemeinärzten Großteils gelockert werden.

Ein großer Erfolg – konnte doch ein langjähriges leistungs- und patientenfeindliches Lenkungsinstrument bei den § 2-Kassen weitgehend beseitigt werden. Die oberösterreichische Ärzteschaft besitzt nun einen modernen, zukunftsorientierten Leistungskatalog, der diese fit für Verhandlungen mit der ÖGK macht.

 

Wie sind Ihre Gedanken zu diesem Thema? Woran sollte gerade im Kassenbereich gearbeitet werden, um wieder mehr junge Ärzte für den Weg in die Niederlassung zu begeistern?

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