Präsidentenbrief


Herausforderungen für die Zukunft

Das Wohlergehen der Ärztinnen und Ärzte ist uns ein zentrales Anliegen. Dabei haben wir schon vieles erreicht. Die aktuelle Umfrage unter den leitenden Ärztinnen und Ärzten in Oberösterreich zeigt einige Herausforderungen für die Zukunft auf.


Oft stellt sich die Frage, was die primäre Aufgabe der Standespolitik, der Ärztekammer beziehungsweise der ärztlichen Funktionäre ist. Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung? Die Aufrechterhaltung der Spitalsstrukturen? Die Reduktion der Wartezeiten
auf Operationen beziehungsweise Ordinationstermine?

Oder gar die Einhaltung der Arbeitszeiten im Spital?
Weit gefehlt! Man braucht nur einen Blick ins Ärztegesetz zu werfen. Denn laut diesem vertritt die Ärztekammer die gemeinsamen beruflichen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen aller in Österreich tätigen Ärztinnen und Ärzte.

Weitere Aufgaben der Ärztekammer werden wie folgt aufgelistet:
• die Führung der Ärzteliste
• die Durchführung der Arztprüfung
• die Organisation der Aus- und Fortbildung
• die Qualitätssicherung der Ordination
• die Erlassung von Honorarrichtlinien
• und last, but not least die Erarbeitung von Konzepten, Programmen, Gutachten und Vorschlägen zum österreichischen Gesundheitswesen


Das heißt, unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass es den Ärztinnen und Ärzten gut geht. Alles andere ist auch wichtig, aber besondere Priorität der standespolitischen Aktivitäten muss das Wohlergehen der Ärztinnen und Ärzte in Oberösterreich sein.


VIELES ZUM POSITIVEN GEWANDELT
Aber wissen wir immer, wie es uns geht, was wir wollen und wo der Schuh drückt? Die Unzufriedenen schreien immer am lautesten, aber sind die vorgebrachten Themen auch die wichtigsten?
In Oberösterreich hat sich zuletzt dank der Gehaltsreform und aufgrund des AZG bei den angestellten Ärzten vieles zum Positiven gewandelt. Aber nicht alle Sonderfächer und auch nicht alle Berufsgruppen innerhalb der Spitalsärzteschaft gehören zu den Gewinnern. Vor allem bei den oberösterreichischen ärztlichen Führungskräften regte sich in den vergangenen zwei Jahren der Unmut. Neben den oft beträchtlichen Gehaltseinbußen kommen auch immer mehr Führungsaufgaben hinzu. Das war für mich Anlass, über den Sommer eine Umfrage zur Arbeitszufriedenheit
der ärztlichen Führungskräftein Oberösterreich durchzuführen.

Sie steht unter dem Titel: „Der Primararzt im Wandel – zwischen Kennzahlen und medizinischen Leistungen." Vermehrter Kostendruck, hoher administrativer Aufwand und ein Mangel an (jungen) Ärzten haben die Situation verändert. Wie zufrieden sind nun die leitenden Ärzte mit den Rahmenbedingungen und was würden sie verbessern? Diese beiden Fragen stellte ich in den Mittelpunkt der Umfrage, an der 127 leitende Medizinerinnen und Mediziner aus Oberösterreich teilgenommen haben.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehr als drei Viertel der befragten Personen grundsätzlich mit ihrer Rolle und mit ihren Aufgaben zufrieden sind. Aber bei näherer Betrachtung müssen vor allem in kleineren Häusern leitende Ärzte eine schwierige Balance zwischen Medizin und Management finden.
Vor allem drei Entwicklungen wirken sich auf den Krankenhausalltag von Führungskräften aus: die ständige Arbeitsverdichtung, der Ärztemangel und die überbordende Bürokratisierung. Nicht selten müssen Abteilungen bei rückläufigen personellen und materiellen Ressourcen ein steigendes Leistungsvolumen erbringen. In Standardkrankenhäusern erachten sogar 70 Prozent der Befragten den jeweiligen Ärztestellenschlüssel für eine optimale Patientenversorgung sowie für eine adäquate Ausbildung als nicht ausreichend. Für manche Abteilungsleiter ist es auch schwieriger geworden, qualifizierte Bewerber zu finden.

ÄRZTE ADÄQUAT AUSBILDEN UND BINDEN
In Zukunft wird es eine der größten Herausforderungen sein, geeignetes Personal zu gewinnen, junge Ärzte adäquat auszubilden und diese auch zu binden. Einigkeit herrscht in der Umfrage darüber, dass der autoritäre Führungsstil, wie ihn selbst noch viele leitende Ärzte erlebten, ausgedient hat. Wir werden die Ergebnisse dieser Umfrage als Grundlage für die Arbeit für unsere Führungskräfte verwenden. Ich bitte Sie besonders mitzuarbeiten, Ihre Ideen einzubringen und uns Informationen von der „ärztlichen Front" zu übermitteln. Gemeinsam werden wir vieles erreichen können, damit Ärzte und ärztliche Führungskräfte auch weiterhin gerne in den oberösterreichischen Spitälern arbeiten werden.


Ihr Primarius Dr. Werner Saxinger
Linz, im November 2017