Präsidentenbrief


GRUG – ein Wortungetüm, das uns noch lange verfolgen wird

Das Gesundheitsreformumsetzungsgesetz, kurz GRUG, wurde von den Regierungsparteien beschlossen und bedeutet in seiner extremen Auslegung mittelfristig eine Verstaatlichung der Medizin. In allen Regierungsaussendungen werden natürlich die Inhalte des Gesetzes bejubelt, als Absicherung der Versorgung gelobt und darauf hingewiesen, dass wir Ärzte, vor allem die jungen das wollen.

Die große Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen hat nichts gegen eine Zusammenarbeit mit anderen Ärztinnen und Ärzten und Berufsgruppen, die für eine optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten notwendig sind, einzuwenden. Doch es geht um die Art und Weise. Wie sind wir hier als Ärzteschaft in die Konzeption dieser neuen Versorgungsformen eingebunden und wie sind wir gegen eine Willkür der Sozialversicherungen und der Politik abgesichert? Wie können wir verhindern, dass in diesen Versorgungsformen Spitäler wieder die Oberhand haben? Denn dann haben jene, die raus wollten, wieder Geschäftsführer, Bereichsleiter und Konzernvorsitzende
vor der Nase.

OBERÖSTERREICH, DAS GALLISCHE DORF?
In Oberösterreich ticken die Uhren anders. Wir versuchen – solange man uns von Wien aus in Ruhe lässt – einen gemeinsamen Weg zwischen GKK, Landespolitik und Kammer in der Planung der Versorgung im niedergelassenen Bereich zu gehen. Ein Beispiel dafür sind die gemeinsam erarbeiteten Modelle von PVE, beginnend mit den Ordinationszeiten bis hin zu vier verschiedenen Finanzierungsmodellen. Bei der Vorstellung dieser Modelle waren zirka 80 Kolleginnen und Kollegen anwesend. Mir wurde mitgeteilt, dass eine gewisse Unsicherheit ob der neuen Strukturen, jedoch keine grundsätzliche Ablehnung bestand. Dass man Bedenken hat, ist verständlich, so geht es ja jeder und jedem von uns, wenn Veränderungen auf einen zukommen. Ich bin mir sicher, dass die vorgestellten Modelle attraktive Rahmenbedingungen bieten, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Wir sollten nun mutig sein und neue Wege beschreiten. Und wir müssen Lösungen finden, bevor es andere für uns tun. Natürlich wird die Versorgung auch in Zukunft bunt sein müssen, den regionalen Bedürfnissen angepasst.

AUF DIE JUNGEN HÖREN
Natürlich müssen die langjährigen Standespolitiker – und dazu darf ich mich auch schon zählen – klar und deutlich auf die Wünsche der jungen Kolleginnen und Kollegen Rücksicht nehmen. Wir müssen gemeinsam mit ihnen die Zukunft der Versorgung entwickeln. Uns, die wir maximal noch zehn Jahre im Beruf stehen werden, werden wohl alle gesetzlichen Umwälzungen nicht mehr treffen. Das darf uns aber nicht dazu verführen, den Status Quo aufrecht zu erhalten, sondern sollte uns, die seit vielen Jahren das System der Versorgung kennen, erst recht motivieren, mit der jungen Ärzteschaft neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Ich bin mir sicher, dass durch die neue Zusammensetzung der Mitglieder in der Vollversammlung ein guter Mix aus Jung und Alt zustande gekommen ist, sodass uns dies gelingen wird. Demokratische Strukturen leben aber nur dann, wenn jede und jeder von Ihnen auch einen Teil dazu beträgt. Ich bin mir ganz sicher, dass wir nicht alle Ihre Wünsche oder auch Ängste hinsichtlich der neuen Versorgungsformen kennen. Ich bitte Sie daher, diese an die gewählten Mitglieder der Vollversammlung heranzutragen oder direkt an mich zu mailen (niedermoser@aekooe.at). Jeder Input ist wichtig.


NATIONALRATSWAHL 2017
Im Oktober steht wieder eine Wahl vor der Tür. Ich habe nachgesehen, ob es auf den Listen der Parteien an wählbarer Stelle Ärztinnen und Ärzte gibt. Bis jetzt habe ich nur eine Kollegin gefunden, die aufgrund des Listenplatzes eine Chance hat, ins Parlament zu kommen. Eine Wahlentscheidung ist natürlich nicht nur davon abhängig, welche Ärztin oder welcher Arzt an wählbarer Stelle steht, oder vom Gesundheitskonzept einer Partei, sondern auch von den vielen anderen Themen, die uns als Steuerzahler betreffen. Ich denke aber, dass das Gesundheitskonzept einer wahlwerbenden Gruppe für jene Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, ein wichtiger Faktor in der Entscheidungsfindung sein wird. Ich wünsche Ihnen, wenn diese Konzepte der Parteien auf dem Tisch liegen, wohl in den letzten Ferientagen eine spannende Lektüre derselben.
Gerade als Ärzteschaft sollten wir am 15. Oktober von unserem Stimmrecht Gebrauch machen, denn jede Ärztin und jeder Arzt wird hier auch das zukünftige Arbeitsumfeld mitbestimmen.

Ihr Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz, im Juli 2017