Präsidentenbrief


Fünf Jahre gemeinsame Arbeit

Am 9. Mai fand die konstituierende Sitzung der Vollversammlung der Ärztekammer für OÖ statt. Viele erfahrene, aber auch zahlreiche neue Kolleginnen und Kollegen haben somit offiziell die Arbeit für Sie aufgenommen.

Wenn Sie nochmals auf den „Wahlkampf" zurückblicken, kann man mit Fug und Recht sagen: Er war fair und von gegenseitigem Respekt getragen. Die Wahlprogramme haben einander in der Sache nicht unterschieden. Da und dort gab es eine differente Diktion und leicht veränderte Schwerpunkte. Ich bin daher sehr optimistisch, dass wir auch in den kommenden fünf Jahren an einem gemeinsamen Strang ziehen werden – nicht nur in den Kurien, sondern auch kurienübergreifend.

GEMEINSAMES THEMA
Eines der gemeinsamen Themen ist die Bewältigung der ungefilterten Patientenströme. Darunter leiden wir alle – ob niedergelassene Ärztin oder angestellter Arzt. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Patientinnen und Patienten leider ein oft unbändiges Anspruchsdenken entwickelt, wobei wir als Ärzteschaft daran auch nicht ganz unbeteiligt waren. Denken Sie nur an die vielen Artikel in den Zeitungen, in denen neue medizinische Leistungen überschwänglich angepriesen wurden – und das alles (scheinbar) umsonst. Wenn wir hier nicht – gemeinsam mit der Politik und anderen Gesundheitsberufen – ein Umdenken der Menschen erreichen können, werden viele gute Ideen und Möglichkeiten, den ungefilterten Zugang zum Gesundheitswesen einzuschränken, aufgrund des Anspruchsdenkens der Menschen verpuffen. Eine Lösung von vielen sind natürlich Primärversorgungseinheiten. Wir stehen solchen Lösungen positiv gegenüber und entwickeln diese in Oberösterreich auch gemeinsam mit der OÖGKK und dem Land (siehe Artikel ab Seite 6). Das Zauberwort ist hier „gemeinsam", auf gleicher Augenhöhe, nicht gegen den Willen eines Partners im System, wie es das neue Gesetz, das sich derzeit in Begutachtung befindet, immer noch zulässt.

Hier verstehe ich auch nicht die Jubelmeldungen der Funktionäre der ÖÄK über die erreichten Veränderungen, die aus meiner Sicht nur Kosmetik sind. Aber jene Knackpunkte, die es erlauben, dass der Hauptverband weiterhin über die Ärztinnen und Ärzte „drüberfahren" und ihnen die Bedingungen dieser neuen Zusammenarbeitsform diktieren kann, sind nach wie vor in der Begutachtungsvorlage enthalten. Wir werden und müssen gemeinsam – die niedergelassenen und die angestellten Kolleginnen und Kollegen – neue Formen der Zusammenarbeit gestalten: ein buntes Bild an Versorgungsformen, angepasst an die unterschiedlichen Regionen und Bedürfnisse der Kolleginnen und Kollegen.

AUSBILDUNGSSTELLENBEWILLIGUNG
Ein Thema, das in den vergangenen Wochen viel Unruhe gebracht hat, war das sehr zögerliche Abarbeiten der Ansuchen der Ausbildungsstellen NEU Da kam es zu deutlichen Verzögerungen. Man war in der ÖÄK etwas überrascht von der Komplexität der Verfahrensabwicklung – aber auch die Leistungszahlen aus dem Ministerium und auch jene der Träger, die ja offiziell die Anträge an die ÖÄK gerichtet hatten, waren und sind nicht immer schlüssig. Primar Dr. Werner Saxinger und sein Team bearbeiteten immer rasch und mit großem Engagement die von der ÖÄK an Sie übermittelten Anträge auf Basis des lokalen Wissens der Abteilungen, sodass zumindest auf Ebene unserer Ärztekammer keine Verzögerung entstand (siehe auch Seite 13). Österreichweit zeigt sich, dass manche Abteilungen durch die neuen Ausbildungscurricula, da diese endlich auch Leistungszahlen enthalten, keine volle Ausbildungsberechtigung mehr erlangen werden. Ein Austausch zwischen den Abteilungen wird notwendig sein, was aus meiner Sicht aber grundsätzlich nichts Schlechtes ist, sondern den medizinischen Blickwinkel sicherlich erweitern wird. Dort, wo man sieht, dass die Leistungszahlen in den Ausbildungscurricula, die durch die wissenschaftlichen Gesellschaften der jeweiligen Sonderfächer festgelegt wurden, etwas über das Ziel geschossen sind, wird man diese Inhalte in der ÖÄK kontinuierlich den realen Gegebenheiten anpassen müssen. Nochmals danke an das Team der Ausbildungskommission in Oberösterreich, das hier wirklich tollen Einsatz leistet.

Ihr Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz, im Mai 2017