Präsidentenbrief


Die Wahl ist geschlagen

Wir leben zum Glück in einem Land, in dem auch eine Standesvertretung alle fünf Jahre in ihrer Zusammensetzung durch die Kollegin und den Kollegen bestimmt wird.

Ich möchte im Namen aller Kolleginnen und Kollegen und auch ganz persönlich danken, dass mehr als 50 Prozent, genau 51,44 Prozent zur Wahl gegangen sind und damit ausgedrückt haben, dass ihnen die Standesvertretung ein Anliegen ist. Dass es ihnen wichtig ist, mitzubestimmen, wer in den nächsten fünf Jahren die Geschicke der Ärzteschaft leitet. Ich möchte mich im Namen meines Teams für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken. Ich verstehe das als Anerkennung der Arbeit der vergangenen fünf
Jahre, aber auch als ganz gewaltigen Auftrag für die nächsten fünf Jahre, wieder mit hohem Engagement und Konsequenz für die Absicherung der Ärzteschaft zu arbeiten. Was ich auch ganz sicher versprechen kann, dass wir trotz absoluter Mehrheit, wie auch bereits in den letzten Jahren, die anderen Gruppierungen, in denen ja ebenfalls viele engagierte Kolleginnen und Kollegen tätig sind, voll in die gemeinsame Arbeit für die Ärztinnen und Ärzte einbinden werden. Nur durch Diskussion und unterschiedliche Sichtweisen
können am Ende gute Ergebnisse stehen. Wir haben den Auftrag von Ihnen, mit starkem Auftreten nach außen gemeinsame Konzepte umzusetzen.

WIR SIND KEINE VERHINDERER
Ein typisches Beispiel ist hier die Diskussion zu den Primärversorgungseinheiten (PVE). Ich habe in der Pressekonferenz dazu klar festgehalten, dass wir uns als Vertreter der Ärztekammer keine Sekunde gegen PVE ausgesprochen haben. Wir unterstützen alle Bemühungen für eine flächendeckende medizinische Versorgung in unterschiedlichen Organisationsformen. Was wir dazu allerdings nicht brauchen, ist ein vollkommen weltfremdes und zentralistisches Gesetz, das an den Bedürfnissen der Praxis vorbei geht und
nur dazu dient, die Allmacht des Hauptverbandes zu stärken. Es geht darum, in Zukunft neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln, ob es nun Gebäude sind oder Netzwerke von Ordinationen. Wir als Ärztinnen und Ärzte müssen sagen, was unsere Bedürfnisse sind und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um gut zusammenzuarbeiten. Man braucht auf die Region abgestimmte Modelle. In Oberösterreich haben wir schon aufgezeigt, dass dies auf Basis der derzeitigen gesetzlichen Regelungen möglich ist. In dieser Ausgabe lesen Sie auf den Seiten 14 und 15, warum wir das neue Gesetz ablehnen. Es ist der Politik leider gut gelungen, unsere Ablehnung des Gesetzes zu einer generellen Ablehnung der Idee einer Zusammenarbeit umzumünzen.

ÖÄK BRAUCHT MEHR DURCHSCHLAGSKRAFT
Die Österreichische Ärztekammer muss wieder schlagkräftiger werden. Der Hauptverband ist mittlerweile zu mächtig geworden. Die österreichische Ärzteschaft hat in manchen Diskussionen die Augenhöhe mit der Gesundheitspolitik verloren. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass dem politischen Mantra „Wer zahlt, schafft an" zu wenig entgegengesetzt wird. Tatsächlich muss es wieder eine Balance geben zwischen denen, die für einen Ausbau und eine Modernisierung der Gesundheitsleistungen stehen, nämlich den Ärzten und Patienten, und denen, die primär die Finanzen im Auge haben, also Kassen und Länder. Wir müssen gesundheitspolitische Konzepte liefern. In Oberösterreich haben wir bewiesen, dass das funktioniert. Die Planung des österreichischen Gesundheitssystems darf nicht nur denen überlassen werden, die das System kranksparen wollen.

Ihr Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz, im April 2017