Geschichte

Die Geschichte der Wohlfahrtskasse

Am 22. Dezember 1891 wurde das „ Gesetz betreffend die Errichtung von Ärztekammern" beschlossen und am 14. Jänner 1892 im Reichsgesetzblatt kundgemacht. Nachdem die erforderlichen Verordnungen der Landesregierungen für die konstituierenden Wahlen erlassen wurden, erfolgte 1893 die Gründung der Ärztekammern als Körperschaft öffentlichen Rechts. Diese waren gemäß dem Gesetz berufen, „über alle Angelegenheiten, welche die gemeinsamen Interessen des ärztlichen Standes, die Aufgaben und Ziele, sowie die Würde und das Ansehen des ärztlichen Berufes, die Entwicklung der Gesundheitspflege und sanitären Einrichtungen, insoweit die ärztliche Mitwirkung in Betracht kommt, betreffen, Beratungen zu pflegen und Beschlüsse zu fassen." Aus Sicht der Obrigkeit war selbstverständlich auch die Förderung der Volksgesundheit ein zentrales Thema.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Ärzte war nicht Gegenstand dieses Gesetzes und wurde in den nächsten Jahrzehnten zunehmend schlechter. Im Zusammenhang mit der industriellen Revolution und der Gründung der Krankenkassen nach 1920 wurde der Kassenpatient eine Massenerscheinung, wobei im Zuge der bescheidenen Pauschalhonorierung die Ärzte selbst in wirtschaftliche Bedrängnis kamen.

Da, wie bereits angeführt, trotz der gesetzlichen Grundlage für die Ärztekammern keine Vertretung der materiellen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen gegeben war, und eine ungeheure Not der arbeitsunfähigen Ärzte und deren Hinterbliebenen infolge des verlorenen 1. Weltkrieges und der damit bedingten völligen Entwertung der Ersparnisse, Lebensversicherungen, Wertpapiere usw. gegeben war, wurden am 24. und 25. August 1923 vor Vertretern aller österreichischen Landes-Ärzteorganisationen in Hallstatt standespolitische Pläne zu einer Änderung der finanziellen Lage vorgetragen. Vertreter Oberösterreichs propagierten eine viel beachtete Gründung einer ärztlichen Zentralbank (Dr. Narbeshuber), einer ärztlichen Verrechnungsstelle (Dr. Lengenfelder) und einer standeseigenen Ärzteversorgung (OMR Dr. Niederberger). Die ärztliche Zentralbank und die ärztliche Verrechnungsstelle sollten die Voraussetzungen für die Schaffung der standeseigenen Versorgungseinrichtung sein. Durch sie sollten die Beiträge zur Ärzteversicherung automatisch an diese abgeführt werden. Ab dem 1. Jänner 1924 wurde probeweise die Kranken und Unfallshilfe-Abteilung beschlossen und jeder Arzt verpflichtet, bei der OÖ Landeshypothekenanstalt ein Konto zu eröffnen, über welches die Beiträge vorgeschrieben und eingehoben wurden.

Neben dieser Entwicklung erfolgte auch eine Planung einer gesamtösterreichischen gesetzlichen Altersversorgung für Ärzte. Da auf dieser Ebene der Widerstand gegen eine Pflichtversicherung nicht beseitigt werden konnte, konnte der Plan nicht in die Tat umgesetzt werden. Erst nach mehr als einem Vierteljahrhundert, nach dem Jahr 1950, haben die übrigen Bundesländer Wohlfahrtseinrichtungen nach dem Muster Oberösterreichs geschaffen.

In Oberösterreich schritten die Vorbereitungen hingegen kräftig voran. Am 23. Jänner 1925 beschloss die Hauptversammlung des Wirtschaftlichen Verbandes der Ärzte Oberösterreichs einstimmig die Geschäftsordnung der Wohlfahrtskasse und das Inkrafttreten mit 1. Jänner 1925. Es waren drei Abteilungen vorgesehen:

A Krankheits- und Unfallshilfe
B Invaliditäts-, Alters- und Hinterbliebenenhilfe
C Todesfallhilfe

Von Anfang an wurde die Auffassung vertreten, dass streng versicherungsmathematische Grundsätze beachtet werden müssen, um bei gleichwertiger Belastung aller Generationen die Gleichwertigkeit der Leistungen für alle Zeit zu sichern. 1933 erfolgte der Ausbau der Alten- und Witwenhilfe und folgende Neugruppierung:

A Krankenhilfe
B Invaliditäts-, Alters- und Witwenhilfe
C Kinder- und Waisenhilfe
D Todesfallhilfe
E Notstandshilfe

Vor dem Hintergrund der sich ändernden wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in Österreich wurde in einer Hauptversammlung am 25. Juni 1937 im Kaufmännischen Vereinshaus mit überwältigender Mehrheit der Stimmen der Bau des Ärztehauses in der Dinghoferstraße beschlossen. Die Gesamtbaukosten des 1939 fertig gestellten Gebäudes betrugen 931.021,45 Reichsmark. Die Finanzierung erfolgte aus dem liquiden Reservevermögen der Wohlfahrtskasse und aus Darlehen der Ärzte und der Hypothekenanstalt.

Nach der Okkupation 1938 wurde der Wirtschaftliche Verband der Ärzte Oberösterreichs aufgelöst und das Vermögen der Reichsärztekammer zugewiesen. Im Zuge der Vereinheitlichung des ärztlichen Versorgungswesens und einer völligen Neuordnung erfolgte 1940 nach Überprüfung des Reichsversicherungsmathematikers die Auflösung aller österreichischen Versorgungseinrichtungen, da kein versicherungsmathematisches Fundament gegeben war. Nur die Wohlfahrtskasse der Ärztekammer für Oberösterreich wurde als Versicherungsmathematisch gesund befunden und verfiel nicht der Auflösung. Die Abteilungen A und E verblieben im bisherigen Umfang als Wohlfahrtskasse bei der Ärztekammer Oberdonau bestehen. Die restlichen Abteilungen wurden in die Abteilung „Ärzteversorgung bei der Ärztekammer Oberdonau" im Rahmen der Deutschen Ärzteversicherung zusammengefasst. Mit Herannahen des Kriegsendes, mit März 1945, hörten die Leistungen der Deutschen Ärzteversicherung auf, ebenso die Beitragsüberweisungen an diese.

Nach Kriegsende wurde 1945 eine provisorische Ärztekammer im Einvernehmen mit den Besatzungsmächten bestellt und die Fortführung der bisher geltenden Beiträge und Leistungen beschlossen. Im April 1946 wurde der Wirtschaftliche Verband der Ärzte Oberösterreichs wieder hergestellt. Da im Zuge der inflationären Entwicklung die Leistungen immer unzulänglicher wurden, wurde in der Hauptversammlung des wirtschaftlichen Verbandes 1948 beschlossen, die Beiträge und Leistungen in der Zukunft der geänderten Kaufkraft anzupassen. Damit wurde eine „Rentendynamik" bereits 1948 eingeführt. Durch das Ärztegesetz vom 30. April 1949 wurde eine neue Rechtslage geschaffen. Die Führung von Versorgungs- und Unterstützungseinrichtungen wurde den Ärztekammern übertragen. Nach den entsprechenden Beschlüssen erfolgte die Übertragung aller Rechte und Pflichten mit 1. Jänner 1950.

Nachdem 1954 die Beitragsleistung zur Wohlfahrtskasse unbegrenzt steuerlich abschreibbar wurde, wurde mit Juli 1958 eine neue Geschäftsschäftsordnung beschlossen, in der erstmals die Zusatzversorgung vorgesehen war. Mit der Ärztegesetznovelle 1964 mussten die Satzungen der Wohlfahrtsfondseinrichtungen der Ärztekammern neu beschlossen werden. Die letzte Neuauflage der Satzung erfolgte mit Jänner 1970. Diese ist, wenn auch oft novelliert und den aktuellen Erfordernissen angepasst, noch heute in Kraft.

Während der probeweisen Einführung der Kranken- und Unfallshilfe 1924 wurde das Krankengeld vorerst noch in Goldkronen abgerechnet, da die Österreichische Währung „Krone" vollkommen verfallen war. Eine Goldkrone entsprach 15.000 Kronen. Im Laufe des Jahres wurde der Schilling eingeführt, wobei für 10.000 Kronen ein Schilling bezahlt wurde. Allein für die ersten 3 Monate wurden 98 Mio. Kronen an die Wohlfahrtskasse einbezahlt. Das Krankengeld betrug zu Beginn beispielsweise täglich 14,- Schillinge bzw. 7,- Schillinge, die Spitalsverpflegskosten 8,- Schillinge pro Tag. Als Invaliditätsversorgung wurden 150,- Schillinge monatlich bezahlt.