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Aus für Rauchverbot: Verzicht auf schnelle Erfolge

Das geplante generelle Rauchverbot in der Gastronomie wird es vorerst nicht geben – die bisherige Regelung wird beibehalten. „Das ist keine fachgerechte und nachvollziehbare Entscheidung", sagt Präsident Dr. Peter Niedermoser.

„Wir befinden uns auf einem gesundheitspolitischen Irrweg", sagt Priv.-Doz. Prim. Dr. Bernd Lamprecht, Fachgruppenobmann Lungenkrankheiten der Ärztekammer für OÖ und Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz. „Ohne das geplante Rauchverbot verzichten wir auf sogenannte ,quick wins‘, also schnelle Erfolge wie den Rückgang von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atemerkrankungen. Das Rauchverbot hätte auch langfristigere Erfolge wie die Beeinflussung von Langzeiterkrankungen gebracht", sagt der Mediziner. Auch Präsident Dr. Peter Niedermoser argumentiert aus medizinischer Sicht: „In meiner 26-jährigen Tätigkeit als Pathologe habe ich in einer Vielzahl an Biopsaten nikotinassoziierte Erkrankungen diagnostiziert und auch viele Obduktionen an Patientinnen und Patienten durchgeführt, die an den Folgeerkrankungen des Rauchens gestorben sind."

Täglich sterben drei Passivraucher

Ein weiterer wichtiger Punkt wäre der Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gewesen, sagt Primar Lamprecht: „Passivrauchen kann unter anderem zu Lungenkrebs, COPD oder Erkrankungen der Atemwege führen. Täglich sterben drei Menschen an den Folgen des Passivrauchens. Das absolute Rauchverbot wäre als Signalwirkung wichtig gewesen. Das Rauchverbot für Jugendliche unter 18 Jahren ist natürlich zu begrüßen, aber ob den Wirten damit geholfen werden kann? Immerhin dürfen sich dann Kellnerinnen und Kellner unter 18 Jahren nicht mehr in den Lokalen aufhalten, wo geraucht wird."
Übrigens gibt es in allen OECD-Ländern einen Rückgang der Raucherquote – nur in Österreich und der Slowakei nicht. „Wir werden beim Rauchen nur noch von Griechenland und der Türkei übertroffen", sagt Dr. Lamprecht. Kaum zu glauben, aber auch im Jahr 2017 muss der Primar erneut darauf hinweisen, wie sich weniger rauchen oder ein Rauchstopp auf die Gesundheit auswirkt: „Wer weniger raucht, verringert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege, das Frühgeburtsrisiko sinkt, um nur einige Punkte zu nennen."
Präsident Dr. Peter Niedermoser sagt abschließend: „Man will uns weismachen, dass durch die Zusammenlegung der Sozialversicherung hunderte Millionen gespart werden – und jetzt erlaubt man das Rauchen, wo selbst nach Studien klar wurde, dass die Folgeerkrankungen deutlich zurückgehen, wenn vor allem in der Gastronomie nicht geraucht wird. Durch diesen Beschluss werden Millionen in den Sand gesetzt. Das ist keine fachgerechte und nachvollziehbare Entscheidung. Wenn ich daran denke, dass andere Vereinbarungen in der Koalition auf einer ebenso wackeligen Basis getroffen werden, dann können wir schon gespannt sein."

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