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Tätigkeitsumfang Turnusärzte

Die Frage, welche ärztlichen Tätigkeiten Turnusärzte ausüben dürfen bzw. ob sie alleine, d. h. ohne dass ein Facharzt anwesend ist, Nachtdienste absolvieren dürfen, spielt in der tagtäglichen Praxis ein große Rolle.

Welche Tätigkeiten dürfen ab welchem Zeitpunkt von Turnusärzten durchgeführt werden?

Turnusärzte – sowohl in der Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin als auch in der Ausbildung zum Facharzt – sind gemäß § 3 Abs. 3 ÄrzteG lediglich zur unselbständigen Ausübung ärztlicher Tätigkeiten in anerkannten Ausbildungsstätten bzw. Lehrpraxen unter Anleitung und Aufsicht der ausbildenden Ärzte berechtigt. Unter dem Begriff der „Anleitung" ist zu verstehen, dass die ausbildenden Ärzte den Turnusarzt auf die von diesem erwarteten ärztlichen Maßnahmen entsprechend vorzubereiten haben. Dem gegenüber bedeutet die im Gesetz normierte „Aufsicht" keine „Draufsicht" sondern einerseits die Überprüfung durch die ausbildenden Ärzte, ob die ärztlichen Maßnahmen bereits tatsächlich beherrscht werden, und andererseits die Bereitschaft der ausbildenden Ärzte, im Bedarfsfall den Turnusarzt fachlich zu unterstützen. Unbestritten ist, dass jedoch mit zunehmendem Ausbildungsstand die Aufsichtsintensität abnimmt. Diese ist naturgemäß nicht nur von den an den jeweiligen Turnusarzt übertragenen Tätigkeiten sondern auch von dessen persönlichen Fähigkeiten abhängig. Die Beurteilung, mit welchen Tätigkeiten zu welchem Zeitpunkt ein Turnusarzt konkret betraut werden kann, obliegt allein dem Ausbildungsverantwortlichen, der gemäß § 11 Abs. 5 ÄrzteG den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten laufend zu überprüfen und dabei zu beurteilen hat, inwieweit diese dem Turnusarzt gemäß dem im jeweiligen Rasterzeugnis angeführten Umfang vermittelt worden sind. Unter der Voraussetzung, dass der Turnusarzt entsprechend angeleitet und angemessen beaufsichtigt wird, kann dieser grundsätzlich alle ärztlichen Tätigkeiten durchführen, dies gilt gleichermaßen auch für die Verschreibung von Arzneimitteln oder für Anordnungen nach dem GuKG (vgl. Wallner, Handbuch Ärztliches Berufsrecht2 (2018) 47ff.). Eine Ausnahme davon bilden lediglich die Ausstellung ärztlicher Zeugnisse und die Erstattung von Gutachten, da diese gemäß § 2 Abs. 3 ÄrzteG den zur selbständigen Berufsausübung berechtigten Ärzten vorbehalten sind. In der Praxis ist dies vor allem für die Alkohol- und Drogenuntersuchungen nach der StVO relevant, d. h. diese dürfen nicht von Turnusärzten alleine eigenverantwortlich durchgeführt werden.

 

Dürfen Turnusärzte alleine, d. h. ohne fachliche Aufsicht, Nachtdienste absolvieren?

Gemäß § 3 Abs. 3 ÄrzteG können Turnusärzte vorübergehend auch ohne Aufsicht tätig werden, sofern einerseits die krankenanstaltenrechtlichen Organisationsvorschriften keine dauernde Facharztanwesenheit erfordern, was je nach Krankenanstaltstyp (Standard- bzw. Schwerpunktkrankenanstalt) und Sonderfach sehr unterschiedlich ausgestaltet ist und sofern der jeweilige Turnusarzt bereits hinreichend ausbildet worden ist und über die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt. So ergibt sich gemäß § 15 Abs. 1 Z 3 OÖ KAG, dass in Schwerpunktkrankenanstalten bestimmte Abteilungen (z. B. HNO, Augen) während der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen nicht dauernd mit einem Facharzt besetzt sein müssen. In diesen Fällen ist es daher zulässig, wenn ein entsprechend ausgebildeter Turnusarzt einen Nachtdienst absolviert, sofern ein Facharzt im Wege der Rufbereitschaft erreichbar ist.