Presseaussendungen


„Don't smoke!": Volksbegehren zur Beibehaltung des Nichtraucherschutzgesetzes

Die Wiener Ärztekammer und die Österreichische Krebshilfe initiierten das Volksbegehren für die Beibehaltung eines generellen Rauchverbots in der Gastronomie. Auch die Ärztekammer für OÖ und die Krebshilfe Oberösterreich unterstützen dieses Volksbegehren, das von Montag, 1. bis Montag, 8. Oktober stattfindet.

Donnerstag, 27. September 2018, 10:00 Uhr
Presseclub Saal A, Landstraße 31, 4020 Linz

Am Podium:
Dr. Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für OÖ
Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht, Fachgruppenobmann Lungenkrankheiten der Ärztekammer für OÖ; Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde / Pneumologie am Kepler Universitätsklinikum
Prim. Univ. Prof. Dr. Andreas Petzer, Vorstandsmitglied der Österreichischen Krebshilfe Oberösterreich; Vorstand der Abteilungen Interne I am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO)
Prim. em. Dr. Herwig Schinko, Vorstandsmitglied der Krebshilfe OÖ; Facharzt für Pneumologie und Innere Medizin

Was bisher geschah: „Don't smoke"-Volksbegehren

Die Wiener Ärztekammer unter Präsident Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres und die Österreichische Krebshilfe unter seinem Präsidenten Prof. Dr. Paul Sevelda starteten das Volksbegehren für die Beibehaltung eines generellen Rauchverbots in der Gastronomie im Mai 2018. Es wurden 591.146 Unterstützungserklärungen abgegeben, 100.000 waren nötig, um das offizielle Volksbegehren durchzusetzen.
Das Volksbegehren kann von 1. bis 8. Oktober per Handy-Signatur oder Bürgerkarte oder in jeder Gemeindebehörde unterzeichnet werden. Wenn man bereits eine Unterstützungserklärung abgegeben hat, braucht man NICHT mehr extra zu unterzeichnen. Diese Stimme zählt bereits.

Bereits 2014 wurde die ExpertInneninitiative „Don't smoke!" von der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und medizinischen Onkologie (OeGHO) ins Leben gerufen, um ein stärkeres Bewusstsein für die verheerenden Konsequenzen des Nikotinkonsums zu schaffen. Sie wurde initiiert, um ein Umdenken zu bewegen, auf Basis der medizinischen Kompetenz ein Zeichen zu setzen und um die österreichische Gesetzeslage nachhaltig zu verändern.

„Mitgetragen wurde die Initiative von Anfang an von der Österreichischen Ärztekammer, der Österreichischen Apothekerkammer, der Krebshilfe, der Österreichischen kardiologischen Gesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für internistische Angiologie, der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie, der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, der Gesellschaft für Arbeitsmedizin, der Österreichischen Diabetes Gesellschaft sowie Initiative Ärzte gegen Raucherschäden", sagt Prim. Univ. Prof. Dr. Andreas Petzer.

Als Reaktion darauf wurde im Jahr 2015 das generelle Rauchverbot auch für die Gastronomie als Gesetz erlassen, das die derzeitige Regierung aber noch vor Inkrafttreten wieder zurückgenommen hatte. Petzer: „Im Jahr 2017 hat die Krebshilfe ,Don't smoke!‘ und damit auch die Themenführerschaft für ein rauchfreies Österreich dankenswerterweise übernommen." Dr. Peter Niedermoser stellt klar, dass auch Oberösterreich dieses Volksbegehren unterstützt: „Die Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereichen senkt zwar die Beeinträchtigung von Nichtrauchern, beseitigt sie aber nicht. Das Personal selbst bleibt weiterhin hoch belastet, weshalb der Arbeitnehmerschutz unmöglich ist. Das ist also kein Affront gegen die Raucherinnen und Raucher, vielmehr wollen wir einen Schutz vor Rauchbelastung!"

Was sagt die Statistik: Zahlen und Ländervergleich

In Österreich werden jährlich rund 4.500 Lungenkrebs-Neudiagnosen gestellt, allein 85 Prozent davon sind auf das Rauchen beziehungsweise Passivrauchen zurückzuführen und damit potenziell vermeidbar. „Darüber hinaus ist die chronisch obstruktive Lungenkrankheit COPD, von der inzwischen mehr als 10 Prozent der erwachsenen Österreicherinnen und Österreicher betroffen sind, die häufigste rauch-assoziierte Erkrankung – und auch hier werden mehr als 80 Prozent der Erkrankungen von Zigarettenrauch verursacht", sagt
Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht. „Jährlich sterben durch das Rauchen mehr als 10.000 Personen vorzeitig, mindestens drei Todesfälle pro Tag sind auf Passivrauch/Second-hand-smoke zurückzuführen." Neben der Türkei und Griechenland zählt Österreich mit etwa 25 Prozent zu den Ländern mit der höchsten Raucherquote, zusätzlich gab es in den vergangenen 15 Jahren in nur zwei der 35 OECD-Staaten keinen Rückgang dieser Quote, nämlich in der Slowakei und in Österreich.

Primar Lamprecht: „Hier wäre ein gesundheitspolitisches Signal besonders wichtig, denn Studien in anderen Ländern zeigen, dass Rauchverbote in der Gastronomie auch über die Türen der Lokale hinaus wirken. Menschen rauchen, nachdem Rauchverbote eingeführt wurden, auch in den eigenen vier Wänden weniger." In Österreich hätten durch die ursprünglich gesetzlich beschlossene rauchfreie Gastronomie jedes Jahr tausende tabakrauchbedingte Erkrankungen, Krankenhausaufnahmen und teilweise sogar Todesfälle bei Erwachsenen und Kindern verhindert werden können. „Wir verzichten mit dem Kippen des Rauchverbots also auf jene raschen positiven Gesundheitseffekte, die in der Schweiz, Irland und Italien bereits kurz nach Inkrafttreten eines Rauchverbots in der Gastronomie verzeichnet werden konnten, wie etwa eine Reduktion der Herzinfarkte und Schlaganfälle um rund 15 Prozent," sagt Dr. Lamprecht. Das entspräche in Österreich pro Jahr 5.000 weniger Herzinfarkten und 3.000 weniger Schlaganfällen, wie eine Metaanalyse von 45 Studien über Nichtraucherschutzgesetze kürzlich zeigte. In Summe verzichtet man also bei einer um nur zwei Jahre verspäteten Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes auf die Vermeidung von rund 10.000 Herzinfarkten und 6.500 Schlaganfällen.

2016 kam es in Österreich zu rund 9.000 Krankenhausaufenthalten von Kindern aufgrund von Infekten der unteren Atemwege oder Asthma. Berechnungen haben gezeigt, dass allein mehr als 1.600 davon durch eine rauchfreie Gastronomie hätten vermieden werden können.
„Zusätzlich mangelt es auch an Aufmerksamkeit für die Gesundheit der Beschäftigten in der Gastronomie beziehungsweise im Tourismus. Beispielsweise liegen Daten zum Gesundheitszustand von Kellnern bezüglich Krebserkrankungen aus einer Studie in Skandinavien vor, die bei Frauen neun und bei Männern sogar 46 Prozent signifikant mehr Krebserkrankungen aufzeigen und sich nicht zuletzt aus einer erhöhten Raucher-Prävalenz sowie verstärkten Passivrauch-Belastung erklären lassen", sagt Primar Dr. Lamprecht.

„Rauchen stellt zweifelsfrei die häufigste Ursache für Lungenkrebs dar. Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs ist klar dokumentiert. Das Krebsrisiko ist umso höher, je früher mit dem Rauchen begonnen wurde und je mehr Zigaretten geraucht wurden. Zahlreiche Studien haben zudem dokumentiert, dass auch beim Passivrauchen eine Gesundheitsgefährdung besteht", bekräftigt auch Prim. Univ. Prof. Dr. Andreas Petzer. Die WHO schätzt, dass zehn Prozent der Lungenkarzinome von Nichtrauchern auf das Passivrauchen zurückzuführen sind.

Primar Dr. Petzer: „In der Bevölkerungsgruppe der über 55-Jährigen ist die Sterberate unter Rauchern zwei bis dreimal höher als unter Nichtrauchern. Laut einer Studie der Amerikanischen Krebsgesellschaft ist ein Fünftel der Todesfälle von Krankheiten herbeigeführt, deren Ursache man bisher nicht eindeutig dem Nikotinkonsum zugeordnet hat, wie etwa Niereninsuffizienz, Bluthochdruck, Infektionen, Brustkrebs oder Prostatakrebs. Diese Untersuchungen wurden bei fast einer Million Menschen durchgeführt und unterstreichen die Dringlichkeit der Forderungen der Initiative ,Don't smoke!‘. Rauchen ist für mehr Todesursachen verantwortlich als bisher angenommen – Grund genug, um einen entsprechenden (Nicht-)Raucher-Schutz zu fordern. Wir als Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (OeGHO) unterstützen deshalb nachhaltig das Volksbegehren zur Beibehaltung des Nichtraucherschutzes!"

Auch Primar Dr. Herwig Schinko weist auf die signifikante Morbidität und Mortalität durch langzeitigen Zigarettenkonsum hin: „70 Prozent der männlichen Österreicher und zwei Drittel der Frauen sind Je-Raucher, das heißt aktuell aktive und/oder frühere Raucher. In Österreich sterben etwa 14.000 Menschen pro Jahr vorzeitig an Rauchfolgen, was einer mittleren Lebensverkürzung von zehn Jahren entspricht. Zum Vergleich: Pro Jahr gibt es durch illegale Drogen 165 Tote im Jahr."

Wie kann man Jugendliche schützen: Befragung von SchülerInnen

„Bestürzend ist in Österreich der überdurchschnittlich hohe Anteil an Raucherinnen und Rauchern unter den Jugendlichen. Die Gefahr, an Krebs zu erkranken, ist umso größer, je früher jemand beginnt und je länger jemand raucht. Wer bis zum 30. Geburtstag nicht mit dem Rauchen begonnen hat, wird mit höchster Wahrscheinlichkeit auch später nicht zum Glimmstängel greifen. Das Verbot von Rauchen in Lokalen und Diskotheken ist deshalb vor allem für Jugendliche besonders wichtig", sagt Primar Dr. Petzer. Untersuchungen in Deutschland zeigen, dass durch entsprechende Schutzmaßnahmen der Anteil an jugendlichen Rauchern in Deutschland innerhalb von wenigen Jahren halbiert werden konnte.
Rauchen ist an der Entwicklung von zwölf Krebsarten beteiligt, weshalb sich die Krebshilfe OÖ mit der Anfangsphase deren Entstehung befasst, nämlich dem jugendlichen Rauchverhalten. 2005, 2008, 2012, 2014 und 2017 wurden Befragungen oberösterreichischer Schülerinnen und Schüler durchgeführt. Diese Studien über das Rauchverhalten von Jugendlichen basieren auf detaillierten Fragebögen.

Prim. em. Dr. Herwig Schinko berichtet von der Studie: „Der Konsum konventioneller Zigaretten beginnt zwischen dem 13. und 20. Lebensjahr. Zu Beginn ist er zu 100 Prozent, ab 20 Jahren zu 74 Prozent ein soziales Verhalten, unabhängig davon, ob es sich um den regelmäßigen täglichen oder um gelegentlichen, nicht täglichen Zigarettenkonsum handelt. Sozialkonsum braucht Begegnungs- beziehungsweise soziale Konsumstätten. Das sind Gaststätten, insbesondere Jugendlokale, Jugendtreffs, Jugendklubs und nicht bloß herkömmliche Gasthäuser und Restaurants." Zigarettenkonsum führt bei Jugendlichen binnen einem Jahr zu Abhängigkeit. Jugendliche Raucher üben den sogenannten Peerdruck auf Freunde aus, mitzurauchen. Nichtraucher werden eher ausgeschlossen beziehungsweise „ausgestoßen". Primar Schinko: „Ist Rauchen in Gaststätten erlaubt, wird dort Druck auf Jugendliche ausgeübt. Es kommt daher nicht nur zum einfachen passiven, sondern zum tatsächlichen aktiven Mitrauchen. Soziale Plattformen werden so zum Promotor beziehungsweise zur Drehscheibe sozialen Zigarettenkonsums."

Mit 20 Lebensjahren sind 45 Prozent der jungen Erwachsenen regelmäßige Zigarettenkonsumenten. Alkoholkonsum ist offensichtlich eng mit Zigarettenkonsum verbunden, denn 50 Prozent der nichtrauchenden und 80 Prozent der rauchenden Jugendlichen konsumieren alkoholische Getränke.
„Gastronomie hat somit mehr mit der Gesundheit zu tun, als man ahnt. In Bezug auf Jugendliche sind Gastbetriebe mehr als bloße Orte harmloser Begegnung und Kommunikation und nicht nur von belästigender und belastender Passivrauchbelastung. Sie sind Modellstätten von gesellschaftlichem Erwachsenenverhalten, wo man Konsumieren und Konsumregeln lernt, aber derzeit leider zu Tabakkonsum animiert wird. Unter Gesundheitspolitik zur Verbesserung der Volksgesundheit wäre die Beendigung des Tabakkonsums in Gaststätten zu verstehen gewesen, da sie nicht nur langfristige, sondern auch unmittelbar positive kurzfristige Gesundheitseffekte hat. Sie hätte auch zur Entkoppelung von Tabak-Alkoholkonsum geführt", sagt Primar Dr. Schinko. Deshalb fordert der Mediziner auf, ein Signal zu setzen: „Don't smoke, nicht nur in Gaststätten, sondern generell!"

Auch Dr. Peter Niedermoser animiert noch einmal, das Volksbegehren zu unterschreiben: „Die österreichische Gesundheitspolitik hat mit dem Gesetz, Gaststätten ab Mai 2018 rauchfrei zu bekommen, eine kluge und nachhaltige Gesundheitsentscheidung getroffen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, Entscheidungen, die in die falsche Richtung gehen, im Rahmen unseres Volksbegehrens zu verändern, vor allem wo uns jetzt im neuen Regierungsprogramm die Möglichkeiten gegeben wurden, dies im Rahmen von Volksentscheiden zu tun. Unterschreiben Sie das Volksbegehren von 1. bis 8. Oktober!"

Foto: ÄKOÖ/Ritzberger; von links: Prim. em. Dr. Herwig Schinko, Prim. Univ. Prof. Dr. Andreas Petzer, ÄKOÖ-Präsident Dr. Peter Niedermoser, Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht

Quellen

Smoking has gone down in all but two OECD countries; Health at a Glance 2017: OECD Indicators (Fig. 4.2).

Declines in Acute Myocardial Infarction following Smokefree Laws and Individual Risk Attributable to Secondhand Smoke; Lightwood, J., Glantz, S; Circulaton 2009 October 6; 120(14): 1371-1379.

Effects of the Irish Smoking Ban on Respiratory Health of Bar Workers and Air Quality in Dublin Pubs; Goodman, P., Agnew, M. et al.; Am J Respir Crit Care Med, Vol 175. Pp 840-845; Jan. 4, 2007.

Effects of Italian Smoking Regulation on Rates of Hospital Admission for Acute Coronary Events: A Country-Wide Study; Barone-Adesi, F., Gasparrini, A. et al.; PLoS One, Volume 6, Issue 3, e17419; March 2011.

Acute Respiratory and Cardiovascular Admissions after a Public Smoking Ban in Geneva, Switzerland; Humair, J-P., Garin, N. et al.; PLoS One, Volume 9, Issue 3, e90417; March 2014.

Gesundheitsfolgen-Abschätzung zur Änderung des NichtraucherInnenschutzgesetzes in der Gastronomie mit erweitertem Jugendschutz; Ergebnisbericht; Graz, April 2018; VIVID – Fachstelle für Suchtprävention & GFA-Netzwerk Steiermark.

http://www.kleinezeitung.at/lebensart/gesundheit/5336921/Untersuchung_Rauchverbot-koennte-5000-Herzinfarkte-pro-Jahr-verhindern

COPD prevalence in Salzburg, Austria: results from the Burden of Obstructive Lung Disease (BOLD) Study; Schirnhofer, Lamprecht et al.; Chest. 2007 Jan;131(1):29-36.

Statistik Austria