Presseaussendungen


Schwachstellen im System erkennen

Am 28. April 2018 ist Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz: 158.671 Arbeitsunfälle verzeichnet die Statistik der AUVA aus dem Jahr 2017. „Es gibt aber zusätzlich noch viele Unfallsituationen, wo durch Glück nichts passiert. Auch diese Beinahe-Unfälle sollten aufgezeichnet werden", sagt DDr. Karl Hochgatterer, Fachgruppenvertreter Arbeitsmedizin der Ärztekammer für OÖ.

Seit 2003 organisiert die Internationale Arbeitsorganisation ILO den Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Die Schwerpunktthemen für 2018 sind die Sicherheit und Gesundheit von jungen Menschen bei der Arbeit sowie Kinderarbeit.
DDr. Karl Hochgatterer betont die Wichtigkeit von Schulungen bei jungen Menschen: „Die Arbeitgeber müssen registrieren, dass junge Menschen oft leichter ablenkbar und weniger stabil sind. Die Unterweisungen sind in der Regel gut organisiert, aber man sollte das Bewusstsein für Unfallverhütung bei jungen Menschen immer wieder stärken." Den Hinweis zum Beispiel, dass es Pflicht ist, in den entsprechenden Firmen oder Betrieben eine Schutzausrüstung zu tragen, kann man nicht oft genug anbringen. „Am häufigsten passieren Unfälle natürlich in produzierenden Betrieben unter den Arbeitern und weniger bei Angestellten. Neben Fingerverletzungen sind Sturz- und Fallverletzungen die häufigsten Unfälle", sagt der Mediziner.

Prävention stärken

Hervorgehoben werden sollten auch die Beinahe-Unfälle. „In der letzten Novelle des Arbeitnehmerschutzgesetzes wurde die Aufzeichnung von Beinahe-Unfällen gestrichen. Diese Herangehensweise kann ich nicht gutheißen, da es wichtig ist, unfallträchtige Situationen und Schwachstellen im System zu erkennen und vermeiden. Ich habe etliche Unfälle erlebt, die tödlich enden hätten können, deshalb muss dem präventiven Aspekt eine besonders große Bedeutung beigemessen werden", sagt DDr. Hochgatterer.

Wissenschaftliche Verankerung fördern

Ein weiteres Problem der Arbeitsmedizin ist ihr Stiefmütterchen-Dasein, wie DDr. Karl Hochgatterer betont: „Österreich hat in der Arbeitsmedizin kaum wissenschaftliche Verankerung an den medizinischen Universitäten. Das ist für ein Industrieland ein Armutszeugnis, denn ohne wissenschaftliche Grundlagen und landestypische Forschungen kann man junge angehende Ärztinnen und Ärzte nur schwer für den Beruf begeistern. Sie bekommen ja auf der Universität gar nichts davon mit."

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