News Archiv


Erweiterte Vertretung – Ärztekammer für Oberösterreich und OÖGKK mit weiterer Strategie gegen Wartezeiten und Ärztemangel!

Auf der Suche nach innovativen Möglichkeiten, die ärztliche Versorgung dauerhaft und auf hohem Niveau zu sichern, haben die OÖGKK und die Ärztekammer für Oberösterreich gemeinsam das Modell der Erweiterten Vertretung erarbeitet. Auf unbürokratischem Wege schafft es in Oberösterreich eine neue und attraktive Möglichkeit der Zusammenarbeit mehrerer Ärzte. Die Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand: längere Öffnungszeiten und kürzere Wartezeiten auf Termine. Für Vertragsärzte kann das Modell gleichzeitig eine deutliche Entlastung bringen.

 

Es informierten:

OMR Dr. Thomas Fiedler                           2. Vizepräsident und Kurienobmann niedergelassenen Ärzte

                                                                    der Ärztekammer für Oberösterreich

Hon.-Prof. Dr. Felix Wallner                       Kammeramtsdirektor der Ärztekammer für Oberösterreich

 

Albert Maringer                                           Obmann der OÖGKK  

Mag. Dr. Andrea Wesenauer                      Direktorin der OÖGKK

 

Reichhaltige „Speisekarte"

Ob als alleiniger Chef in der eigenen Praxis, als Gesellschafter in einer Gruppenpraxis oder einer Primärversorgungseinheit, ob als Angestellter – was künftig auch möglich sein wird – oder eben in einem freien Dienstverhältnis in Form der Erweiterten Vertretung, Ärzte können heute aus einer reichhaltigen „Speisekarte" verschiedener Zusammenarbeitsformen, auch im vertragsärztlichen Bereich, wählen. Das ist nötig, weil auch die Möglichkeiten und die Bedürfnisse der Mediziner unterschiedlich sind und nur so die dauerhafte Sicherung der ärztlichen Versorgung im niedergelassenen Bereich gewährleistet werden kann.

Mit der Erweiterten Vertretung schaffen OÖGKK und Ärztekammer für Oberösterreich eine weitere attraktive Kooperationsform und damit die Möglichkeit für Vertragsärzte mit Nicht-Vertragsärzten gemeinsam unter einem Dach die kassenärztliche Versorgung zu übernehmen. Auf Basis eines freien Dienstvertrages kann der Inhaber einer Vertragsarztordination einen oder mehrere Kollegen in die Praxis holen und so, je nach Bedarf, in unterschiedlichen Varianten mit ihnen zusammenarbeiten.

 

Verschiedene Varianten

Grundsätzlich gibt es ab sofort drei unterschiedliche Varianten, wie das Modell der Erweiterten Vertretung von Vertragsärzten genutzt werden kann:

  • Jobsharing: Mehrere Mediziner desselben Faches teilen sich eine Praxis, ohne Abdeckung eines Zusatzbedarfs.
  • Unbefristete gemeinsame Tätigkeit zur Abdeckung eines dauerhaften Zusatzbedarfs: Hierbei soll mittels einer unbefristeten Zusammenarbeit ein bestehender, dauerhafter Zusatzbedarf an medizinischer Versorgung zum Beispiel aufgrund stetig wachsender Bevölkerungsdichte abgedeckt werden.   
  • Befristete gemeinsame Tätigkeit zur Abdeckung eines temporären Zusatzbedarfs: Um kurzfristig ein schnelleres Abarbeiten von angestauten Terminwartezeiten oder die Versorgung von Patienten einer unbesetzten Stelle zu ermöglichen, können Vertragsärzte künftig die Erweiterte Vertretung befristet nutzen. Ob ein Mehrbedarf an medizinischer Versorgung weiterhin besteht, wird spätestens nach 12 Monaten neu festgestellt. Eine Fristverlängerung muss vom Vertragsarzt beantragt werden. Die OÖGKK unterstützt diese Form der Erweiterten Vertretung mit zusätzlichen Mitteln in Form einer Sonderhonorierung, um gezielt den Abbau von überlangen Wartezeiten zu fördern und die ärztliche Versorgung in allen Regionen des Landes sicherzustellen, ständig zu verbessern und weiterzuentwickeln.

 

Win-Win-Situation für Ärzte und Patienten

OMR Dr. Thomas Fiedler, 2 Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer für Oberösterreich sieht diverse Vorteile, die sich aus der Einführung der Erweiterten Vertretung ergeben: „Die Mitarbeit in einer Vertragsarztpraxis wird künftig ohne viel Bürokratie und damit unter relativ einfachen Bedingungen möglich sein. Dies führt für die Kolleginnen und Kollegen in der Niederlassung hoffentlich zu einer Entlastung. Insgesamt", so Fiedler, „soll die Möglichkeit der Erweiterten Vertretung dazu beitragen, die Ressource Arzt im niedergelassenen Bereich auf lange Sicht zu erhöhen."

OÖGKK-Obmann Albert Maringer:

„Der bewährte Kassenvertrag ist im 21. Jahrhundert angekommen: Nie zuvor hatten niedergelassene Vertragsärzte so viele Möglichkeiten, ihre Praxis nach persönlichem Bedarf zu organisieren. Mit der Erweiterten Vertretung geben wir Vertragsärzten völlig neue Freiheiten – für eine bessere Work-Life-Balance und alters- und familiengerechtes Arbeiten."

OÖGKK-Direktorin Mag. Dr. Andrea Wesenauer:

„Ohne Hürden können jetzt junge Ärzte bei älteren Kollegen in der Praxis mitarbeiten und ihre eigenes Bild vom Beruf gewinnen. Unser Chancen-Paket soll Oberösterreichs Ärzte fürs Niederlassen begeistern, die gute Versorgung sichern und Wartezeiten abbauen."

Grundsätzlich wählt der Vertragsarzt den Kollegen, der zur Erweiterten Vertretung herangezogen werden soll, selbst aus und geht mit ihm ein freies Dienstverhältnis ein.

Aufgrund der freien Arztwahl werden die Anwesenheitszeiten beider Ärzte den Patienten gegenüber transparent gehalten. Auch muss der Vertragsarzt mehr als die Hälfte der Ordinationszeit persönlich abdecken. Aus sozialversicherungs- und arbeitsrechtlichen Gründen gibt der Gesetzgeber vor, dass beide Ärzte nicht überwiegend gleichzeitig in der Ordination tätig sein dürfen.

Die Erweiterte Vertretung in der befristeten Variante erlaubt nicht nur ein paralleles Arbeiten mehrerer Mediziner in einer Facharztpraxis, sondern schafft dort auch die Möglichkeit von Behandlungen an sonst ordinationsfreien Tagen. Dies kann erheblich zum Abbau von Terminwartezeiten beitragen. Die OÖGKK honoriert das mit zusätzlichen Zahlungen", sagt Hon.-Prof. Dr. Felix Wallner, Kammeramtsdirektor der Ärztekammer für Oberösterreich.

Anstellung von Ärzten bei Ärzten ab Oktober

In den vergangenen Jahren wurde der Wunsch nach der Möglichkeit zur Anstellung von Ärzten bei Ärzten immer lauter. Aufgrund einer diesbezüglich fehlenden gesetzlichen Grundlage war eine solche Anstellung bisher allerdings nicht möglich. Seit März 2019 erlaubt eine Änderung im Ärztegesetz, dass es zukünftig möglich sein soll, einen zur selbstständigen Berufsausübung berechtigten Arzt bei Fachgleichheit in einer Ordination anzustellen. Der Gesetzgeber sieht für eine Anstellung in Kassenordinationen einen bundesweiten Gesamtvertrag zwischen ÖÄK und Hauptverband vor. Wir gehen davon aus, dass es bis spätestens Herbst 2019  gelingen wird, diesen Vertrag zustande zu bringen und dann auch die Anstellungsmöglichkeit in Kassenordinationen zu erreichen.

v. l.: Hon.-Prof. Dr. Felix Wallner, OMR Dr. Thomas Fiedler, Mag. Dr. Andrea Wesenauer, Albert Maringer.

 

Rückfragen:

Mag. Ingo Till | Tel. 0732 – 778371 326 | till@aekooe.at (Ärztekammer für Oberösterreich)

Mag. Gregor Smejkal | Tel. 05 78 07 - 10 22 14 | gregor.smejkal@ooegkk.at (OÖGKK)