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Presseaussendung

Ärztekammer warnt vor Hitze im Auto: Lebensgefahr vor allem für Kinder

Nur kurz einkaufen oder was zur Post bringen und das Baby oder Kleinkind im Auto lassen? An besonders heißen Tagen kann das tödlich enden – denn hat es Temperaturen ab 25 Grad kann sich ein Auto binnen weniger Minuten in einen brütend heißen Backofen verwandeln. Die Ärztekammer für Oberösterreich appelliert daher, Kinder keinesfalls im Auto zu lassen, da ein tödlicher Kreislaufkollaps droht.

Immer wieder unterschätzen Eltern, wie schnell in einem geparkten Auto im Sommer die Hitze ansteigt. Kindern, die im abgestellten Auto warten, kann so innerhalb kürzester Zeit ein Kreislaufzusammenbruch oder Hitzeschlag drohen – was tödlich enden kann.

Nach 10 Minuten schon 40 Grad

Selbst bei im Sommer schon fast kühl wirkenden 24 Grad kann sich das Auto innerhalb von einer Stunde auf 50 Grad erhitzen. An heißen Tagen reichen sogar schon knappe 10 Minuten, um den PKW auf lebensbedrohliche Temperaturen aufzuheizen. Nach einer Stunde sind es sogar fast 70 Grad!

Warum Hitze für Kinder besonders gefährlich ist

Im erhitzten Auto nimmt ein Körper dreimal so viel Energie auf, wie ein Körper an der frischen Luft. Durch Atmung und Schweiß kann aber nur ein Viertel der zugeführten Energie wieder abtransportiert werden. Dazu kommt, dass bei Kindern das Risiko der Überhitzung deutlich höher ist, als bei Erwachsenen. Dazu ein Beispiel: Ein Erwachsener mit 177 cm Körpergröße und einem Gewicht von 64 kg hat eine Körperoberfläche von 1,80 m², bei einem Kind mit einer Größe von 128 cm und 25 kg ist die Körperoberfläche wesentlich kleiner, etwa 0,85 m². Setzt man das in Relation zum Körpervolumen hat der Erwachsene noch 280 cm²/kg gegenüber 380 cm²/kg beim Kind. Dies ist eine ca. 36 Prozent größere relative Körperoberfläche beim Kind, was für die Thermoregulation Konsequenzen hat. Kinder zeigen die Tendenz, deutlich später zu schwitzen als dies Erwachsene tun. Erst wenn die Körperkerntemperatur höhere Werte erreicht hat, beginnt eine Schweißproduktion. Grund dafür, so vermutet man, sind höhere Schwellenwerte im Wärmeregulationszentrum des Gehirns bei Kindern. Diese höheren Werte wiederum könnten begründet sein in einer schnelleren Abkühlung des Körpers aufgrund seiner vergleichsweise großen Oberfläche. Oder anders formuliert: Ein normales, erwachsenenmäßiges Schwitzen würde bei Kindern dann immer die Gefahr der Unterkühlung mit sich bringen", weiß Dr. Peter Marcus Kahr, Fachgruppenvertreter für Kinder- und Jugendheilkunde und Kinderarzt in Linz. „Kinder schwitzen somit viel später, und sind generell in einer heißen Umgebung weniger belastungsfähig, daher ist die Gefahr einer Überhitzung schneller gegeben. Sitzen Kinder dann in einem heißen Auto droht ein tödlicher Kreislaufkollaps. Dafür reichen bereits 15 Minuten aus", warnt der Mediziner.

Auch wenn mehrere Fenster geöffnet sind – das Auto überhitzt in jedem Fall. Zudem können Babys und Kleinkinder schlecht selbst aussteigen, sie sind meist im Kindersitz hilflos der Hitze ausgeliefert. Daher die Kinder (oder auch Tiere) niemals im Auto lassen.

Im Notfall: Scheibe einschlagen

Wenn Kinder im Auto auf Klopfen an der Scheibe gar nicht mehr reagieren, sollten die Eltern rasch gesucht werden. Sind diese nicht greifbar, darf im Sinne der Nothilfe eine Scheibe eingeschlagen werden. Bei einer Seitenscheibe gelingt das meist schneller, weil sie aus Sicherheitsglas besteht und bei einem Schlag mit einem spitzen Gegenstand im Regelfall sofort zerbröselt. In jedem Fall sollte aber die Rettung sowie die Polizei verständigt werden.

Das ist zu tun bei Überhitzung                                    

Die betroffene Person sollte sofort in eine kühle Umgebung (z.B.: in einen gekühlten Raum) oder in den Schatten gebracht werden; wenn keiner vorhanden, bitten Sie anwesende Personen mit Schirmen, Tüchern etc. Schatten zu spenden.

Durch das Auflegen feuchter, kühler Tücher auf Kopf, Nacken und Körper kann zusätzlich gekühlt werden. Bei Verdacht auf Hitzschlag und Kreislaufprobleme (blasse Gesichtsfarbe) kann eine Hochlagerung der Beine hilfreich sein. Enge Kleidung des/der Betroffenen soll gelockert werden und sorgen Sie zusätzlich für Frischluftzufuhr. Außerdem muss der Flüssigkeitsmangel durch schluckweise (kühle) Flüssigkeit ausgeglichen werden.